Studium Generale - Eintritt frei

Seit einigen Jahren bietet die Theologische Hochschule Reutlingen gemeinsam mit der Hochschule Reutlingen, der ekhg und Campus Reutlingen e.V. Vorlesungsreihen zu Themen an, die die Gesellschaft aktuell und oft kontrovers diskutiert.

 

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 18.15 Uhr

„Künstliche Intelligenz und Ethik – Zur digitalen Transformation der Gesellschaft"

Wenn man heute Schülerinnen und Schüler fragt, was sie einmal beruflich machen wollen, lautet die meist genannte Antwort: „Irgendwas mit Medien“. Dieser Wunsch folgt aus der ständigen Präsenz einer Technologie in den Köpfen von „Digital Natives“. Diese fürchten, ohne ihr Smartphone den Weltzugang zu verlieren. Die technischen Fortschritte der Künstlichen Intelligenz (KI) bieten immer weiter reichende Dienstleistungen an, die man gerne in die „Optimierung“ des eigenen Lebens einbaut. Aber auch Unternehmen, Krankenhäuser, Behörden, politische Parteien sowie Militärs entdecken die Effizienz- und Wettbewerbsvorteile der KI. Es stellt sich die Frage, ob diese „digitale Transformation“ der Gesellschaft wie ein unaufhaltsamer Tsunami über die Menschen hinweg rauscht und die Spaltung von Gewinnern und Verlierern verstärkt. Oder ob (und wie) dieser Prozess gestaltet werden kann, dass er für möglichst viele Menschen eine „nachhaltige Entwicklung“ ermöglicht. Was kann die Ethik dazu beitragen, dass Menschen ihr Schicksal
noch in der Hand behalten? Oder ist dieser Zug schon abgefahren?

Veranstaltungsort: Theologische Hochschule Reutlingen, Aula (Lehrgebäude)

Prof. Dr. phil. Dipl.-Ing. (FH) Michael Wörz
Prof. Dr. phil. Dipl.-Ing. (FH) Michael Wörz
ist Ingenieur und Philosoph und leitet seit 25 Jahren das Ethikprogramm an den Hochschulen des Landes Baden-Württemberg. Er sieht sich selbst als systemtheoretisch informierten Ethiker, der mit dem Instrumentarium des Sokratischen Dialogs Alternativen für Menschen in der modernen Gesellschaft erkundet und darin das jeweils Beste zu identifizieren sucht.

Termine im Sommersemester 2018/2019

Deckblatt Flyer Studium Generale 2018/2019

Das aktuelle Programm als pdf-Datei zum Herunterladen.

 

Mittwoch, 7. November 2018, 18.15 Uhr
Internet of Things – a Look at the Producer-Side (Vortrag in englischer Sprache)
Ainara Novales
Ort: Theologische Hochschule Reutlingen, Aula

 

Mittwoch, 21. November 2018, 18.15 Uhr
Automatisiertes Fahren – Ein alter Traum oder die Zukunft der Mobilität?
Dr. Ulrich Eberle
Ort: Hochschule Reutlingen,Gebäude 9, Raum 040

 

Mittwoch, 5. Dezember 2018, 18.15 Uhr
Menschen und autonome Systeme – wie passt das nur zusammen?
Prof. Dr.-Ing. Cristóbal Curio
Ort: Hochschule Reutlingen, Gebäude 9, Raum 005

 

Bericht zum Studium Generale im Wintersemester 2016/17 „Verantwortung für die Gesellschaft“

"Geld und Entsolidarisierung hängen eng zusammen" war eine der aufrüttelnden Thesen des Theologen Prof. Dr. Ulrich Duchrow. Für die Juristin, Unternehmerin und Bestseller-Autorin Yvonne Hofstetter ist das Smartphone nicht ein Telefon, sondern ein Messgerät, das naive Menschen zur Vermessung ihrer eigenen Person freiwillig bei sich tragen.

Am Mittwoch den 04. Juli 2018 sprach Bischof Martin Hein an unserer Hochschule zum Thema:

„Glauben wir an denselben Gott? – Zur Gottesvorstellung in Christentum und Islam"

Hier können Sie den Vortrag nachhören (48:05, 23 MB).

Manchmal ist es der Islam, der die aufgeklärte westliche Welt daran erinnert, dass Religion das Leben von Menschen bestimmen kann. So begegnen sich in Christentum und Islam ganz verschiedene Welten. Das geschieht im globalen Maßstab ebenso wie auf der lokalen Ebene. Schon an einer einfachen Frage scheiden sich die Geister: Ist der Gott von Christen und Muslimen ein und derselbe? Wie kann darüber eigentlich befunden werden? Und kann über so etwas wie Gott überhaupt rational und aus der Distanz gesprochen werden? Über diese grundlegenden Fragen spricht Bischof Martin Hein.

Prof. Dr. Martin Hein
Prof. Dr. Martin Hein
ist seit 2000 Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und seit 2014 Mitglied des Deutschen Ethikrats.

Solidarisch Mensch werden

Der Heidelberger Sozialethiker Ulrich Duchrow hat zum Thema "Solidarisch Mensch werden" referiert. Dabei nahm er das Thema Gerechtigkeit in einer globalen Perspektive unter die Lupe und entdeckte konkrete Handlungsmöglichkeiten in der Frage, wie mit flüchtenden Menschen umzugehen sei. Dem Geld folge die Geldgier, der Kapitalismus sei ein schlechter Religionsersatz, der Neoliberalismus führe zu Entsolidarisierung, bilanzierte Duchrow höchst kritisch. Der das Leben zerstörende Klimawandel als Resultat menschlichen Wirtschaftens zwinge nun endgültig zur Umkehr. Das weltweite Aufwachen der Kirchen in diesen Existenzfragen hätten die Kirchen in Deutschland zunächst verschlafen, meinte der Theologe.

Seine Ausführungen wurden ergänzt durch die lokale Perspektive der Reutlinger Asylpfarrerin Ines Fischer. Die Hörerschar zeigte sich angetan davon, wie erfrischend und anregend ein vermeintlich altlinker Politjargon wirken kann.

Prof. Christof Voigt

Video vom Vortrag im November 2016

Aufzeichnung des Vortrags "Solidarisch Mensch werden" mit

  • Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg
  • Ines Fischer, Asylpfarrerin in der Evangelischen Prälatur Reutlingen

Digitale Grundrechte

Die Big-Data-Spezialistin Yvonne Hofstetter aus München erläuterte in ihrem Vortrag, wie die globalen digitalen Medien-Unternehmen ungeheure Datenmengen sammeln und zusammenführen und so das Verhalten von Konsumenten nicht nur kennen, sondern nach ökonomischen Interessen auch steuern. Für diese Machtballung gebe es keinerlei rechtliche oder politische Legitimation. Nie hat ein Parlament darüber abgestimmt. Menschen machten einfach mit, weil sie sich kaum vollständig entziehen könnten, obwohl – so die Juristin Hofstetter – ein permanenter Konflikt mit den Grundrechten bestehe.

Für die Frage einer grünen Stadträtin aus der Nachbarstadt Tübingen, ob die digitalen Medien nicht auch einen Gewinn für die Demokratie bedeuten könnten, hatte die Referentin nur ein müdes Lächeln übrig und antwortete mit dem Titel ihres jüngsten Buches: Das Ende der Demokratie. Hoffnung sieht sie aber doch darin, dass nun endlich die große Politik auf diese entscheidenden Zukunftsfragen aufmerksam werde. Zusammen mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und anderen zivilgesellschaftlich Engagierten ist Yvonne Hofstetter an einem einmaligen Vorgang beteiligt: Erstmals wird Anfang Dezember eine Gesetzesvorlage zu digitalen Grundrechten direkt dem zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments vorgestellt. Gleichzeitig stoßen große Zeitungen eine Debatte über diese Fragen an.

Prof. Christof Voigt