Studium Generale - Eintritt frei

Seit einigen Jahren bietet die Theologische Hochschule Reutlingen gemeinsam mit der Hochschule Reutlingen, der ekhg und Campus Reutlingen e.V. Vorlesungsreihen zu Themen an, die die Gesellschaft aktuell und oft kontrovers diskutiert.

 

Vortrag am Mittwoch, 29. November 2017, 18.15 Uhr

„Wettbewerbsökonomie im Alltag:
Wie das Verhalten von Google, Daimler und Tübinger Eisdielen uns alle betrifft"

Haben sich deutsche Autokonzerne zusammengetan, um uns schadstoffschummelnde Autos zu überhöhten Preisen zu verkaufen? Behindert Google andere Unternehmen, anstatt fair mit ihnen zu konkurrieren? Bringen Hersteller von Kaffee, Bier oder Süßwaren überteuerte Produkte auf den Markt? Nicht, wenn die Regeln der Wettbewerbsökonomie greifen. Sie ermöglichen es Firmen so frei wie möglich miteinander konkurrieren – im Interesse von uns Verbrauchern. Denn mehr Wettbewerb bedeutet mehr Innovation, bessere Produkte und Dienstleistungen, sowie niedrigere Preise. Wettbewerbsregeln sollen in Märkten dafür sorgen, dass nicht die Geldgier und Angst vor Machtverlust der Konzerne siegen, sondern fairer Wettbewerb. Trotzdem passiert es immer wieder, dass Firmen gegen diese Regeln verstoßen. Wie diese Wettbewerbsverstöße uns als Kunden betreffen und welche Rechte wir gegenüber diesen Firmen haben, erklärt dieser Vortrag.

Prof. Dr. Anna Goeddeke ist Professorin für VWL, Mikroökonomie, und quantitative Methoden an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen

Veranstaltungsort: Hochschule Reutlingen Gebäude 9, Raum 9.005

Video vom Vortrag im November 2016

Aufzeichnung des Vortrags "Solidarisch Mensch werden" mit

  • Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg
  • Ines Fischer, Asylpfarrerin in der Evangelischen Prälatur Reutlingen

Termine im Wintersemester 2017/2018

Das aktuelle Programm kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.

 

Samstag, 21. Oktober, 14 Uhr
„Power to Change – Die EnergieRebellion“: Wie werde ich zum Rebell?
(Filmvorführung und Diskussion)
Ralf Bültge-Bohla
Ort: Hochschule Reutlingen, Alteburgstr. 150, Gebäude 17, Raum U15+U16

 

Mittwoch, 25. Oktober, 18.15 Uhr
Frauen, Männer, Islam und Deutschland – eine Problemkonstellation?
Jun.- Prof. Dr. Fahimah Ulfat
Ort: Theologische Hochschule Reutlingen, Friedrich-Ebert-Str. 31, Lehrgebäude, Aula

 

Mittwoch, 8. November, 18.15 Uhr
Vom Wert der Nachhaltigkeit
Ulrich Grober
Ort: Theologische Hochschule Reutlingen, Friedrich-Ebert-Str. 31, Lehrgebäude, Aula

 

Mittwoch, 29. November, 18.15 Uhr
Wettbewerbsökonomie im Alltag: Wie das Verhalten von Google, Daimler und Tübinger Eisdielen uns alle betrifft
Prof. Dr. Anna Goeddeke
Ort: Hochschule Reutlingen, Alteburgstr. 150, Gebäude 9, Raum 9.005

 

Mittwoch, 6. Dezember, 18.15 Uhr
Weihnachten auf dem ökonomischen Prüfstand
Prof. Dr. Anna Goeddeke
Ort: Hochschule Reutlingen, Alteburgstr. 150, Gebäude 9, Raum 040

Bericht zum Studium Generale im Wintersemester 2016/17 „Verantwortung für die Gesellschaft“

"Geld und Entsolidarisierung hängen eng zusammen" war eine der aufrüttelnden Thesen des Theologen Prof. Dr. Ulrich Duchrow. Für die Juristin, Unternehmerin und Bestseller-Autorin Yvonne Hofstetter ist das Smartphone nicht ein Telefon, sondern ein Messgerät, das naive Menschen zur Vermessung ihrer eigenen Person freiwillig bei sich tragen.

Solidarisch Mensch werden

Der Heidelberger Sozialethiker Ulrich Duchrow hat zum Thema "Solidarisch Mensch werden" referiert. Dabei nahm er das Thema Gerechtigkeit in einer globalen Perspektive unter die Lupe und entdeckte konkrete Handlungsmöglichkeiten in der Frage, wie mit flüchtenden Menschen umzugehen sei. Dem Geld folge die Geldgier, der Kapitalismus sei ein schlechter Religionsersatz, der Neoliberalismus führe zu Entsolidarisierung, bilanzierte Duchrow höchst kritisch. Der das Leben zerstörende Klimawandel als Resultat menschlichen Wirtschaftens zwinge nun endgültig zur Umkehr. Das weltweite Aufwachen der Kirchen in diesen Existenzfragen hätten die Kirchen in Deutschland zunächst verschlafen, meinte der Theologe.

Seine Ausführungen wurden ergänzt durch die lokale Perspektive der Reutlinger Asylpfarrerin Ines Fischer. Die Hörerschar zeigte sich angetan davon, wie erfrischend und anregend ein vermeintlich altlinker Politjargon wirken kann.

Prof. Christof Voigt

Digitale Grundrechte

Die Big-Data-Spezialistin Yvonne Hofstetter aus München erläuterte in ihrem Vortrag, wie die globalen digitalen Medien-Unternehmen ungeheure Datenmengen sammeln und zusammenführen und so das Verhalten von Konsumenten nicht nur kennen, sondern nach ökonomischen Interessen auch steuern. Für diese Machtballung gebe es keinerlei rechtliche oder politische Legitimation. Nie hat ein Parlament darüber abgestimmt. Menschen machten einfach mit, weil sie sich kaum vollständig entziehen könnten, obwohl – so die Juristin Hofstetter – ein permanenter Konflikt mit den Grundrechten bestehe.

Für die Frage einer grünen Stadträtin aus der Nachbarstadt Tübingen, ob die digitalen Medien nicht auch einen Gewinn für die Demokratie bedeuten könnten, hatte die Referentin nur ein müdes Lächeln übrig und antwortete mit dem Titel ihres jüngsten Buches: Das Ende der Demokratie. Hoffnung sieht sie aber doch darin, dass nun endlich die große Politik auf diese entscheidenden Zukunftsfragen aufmerksam werde. Zusammen mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und anderen zivilgesellschaftlich Engagierten ist Yvonne Hofstetter an einem einmaligen Vorgang beteiligt: Erstmals wird Anfang Dezember eine Gesetzesvorlage zu digitalen Grundrechten direkt dem zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments vorgestellt. Gleichzeitig stoßen große Zeitungen eine Debatte über diese Fragen an.

Prof. Christof Voigt