Studium Generale - Eintritt frei

Seit einigen Jahren bietet die Theologische Hochschule Reutlingen gemeinsam mit der Hochschule Reutlingen, der ekhg und Campus Reutlingen e.V. Vorlesungsreihen zu Themen an, die die Gesellschaft aktuell und oft kontrovers diskutiert.

 

Mittwoch, 25. April 2018, 18.15 Uhr

„Emilie und Oskar Schindler – Rückblick auf zwei Helden im Holocaust"

Hinter dem Namen Schindler steckt viel mehr als der Film „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg zeigt. Der mutige und zivilcouragierte Einsatz des Ehepaares rettete 1.200 Juden das Leben im Holocaust. Dafür opferten Emilie und Oskar Schindler ihr gesamtes Vermögen und setzten ihr Leben aufs Spiel. Nach ihrer Emigration nach Argentinien, gerieten sie in Vergessenheit. Während Oskar Schindler 1957 nach Deutschland zurückkehrte, blieb seine Frau in Argentinien und kämpfte angesichts ständiger Wirtschaftskrisen ums Überleben.
Erika Rosenberg-Band lernte sie in dieser Zeit persönlich kennen und veröffentlichte deren Erinnerungen in der Biographie „Ich, Emilie Schindler“. In ihrem Vortrag zeigt sie Emilie Schindler als mutige und engagierte Frau, die für ihren großen Beitrag zur Judenrettung u. a. von Steven Spielberg und dem Holocaust-Museum Yad Vashem nur wenig anerkannt wurde.

Veranstaltungsort: Hochschule Reutlingen, Gebäude 9, Raum 040

Prof. Erika Rosenberg-Band
Prof. Erika Rosenberg-Band
ist Journalistin, Autorin, Übersetzerin und Dolmetscherin. Sie war Dozentin am Goethe-Institut sowie im Auswärtigen Amt Argentiniens. 2014 wurde ihr das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland am Bande verliehen.

Video vom Vortrag im November 2016

Aufzeichnung des Vortrags "Solidarisch Mensch werden" mit

  • Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg
  • Ines Fischer, Asylpfarrerin in der Evangelischen Prälatur Reutlingen

Termine im Sommersemester 2018

Deckblatt Flyer Studium Generale 2018

Das aktuelle Programm als pdf-Datei zum Herunterladen.

 

Mittwoch, 11. April 2018, 18.15 Uhr
Wirtschaftsförderung mit Textildesign – historische Textilsammlungen als Grundlage für Mode und Dekor
Prof. Dr. Birgitt Borkopp-Restle
Ort: Hochschule Reutlingen, Gebäude 9, Raum 005

 

Mittwoch, 25. April 2018, 18.15 Uhr
Emilie und Oskar Schindler – Rückblick auf zwei Helden im Holocaust
Prof. Erika Rosenberg-Band
Ort: Hochschule Reutlingen, Gebäude 9, Raum 040

 

Mittwoch, 13. Juni 2018, 18.15 Uhr
Verletzbar durch Elternschaft
Dr. Yvonne Gassmann
Ort: Hochschule Reutlingen, Gebäude 9, Raum 005

 

Mittwoch, 27. Juni 2018, 18.15 Uhr
Make love not hate speech!
Appell für eine verantwortungsvolle Kommunikation im virtuellen Raum
Dr. Katrin Schlör
Ort: Hochschule Reutlingen, Gebäude 9, Raum 005

 

Mittwoch, 4. Juli 2018, 18.15 Uhr
Glauben wir an denselben Gott? – Zur Gottesvorstellung in Christentum und Islam
Prof. Dr. Martin Hein
Ort: Theologische Hochschule Reutlingen, Aula (Lehrgebäude)

Bericht zum Studium Generale im Wintersemester 2016/17 „Verantwortung für die Gesellschaft“

"Geld und Entsolidarisierung hängen eng zusammen" war eine der aufrüttelnden Thesen des Theologen Prof. Dr. Ulrich Duchrow. Für die Juristin, Unternehmerin und Bestseller-Autorin Yvonne Hofstetter ist das Smartphone nicht ein Telefon, sondern ein Messgerät, das naive Menschen zur Vermessung ihrer eigenen Person freiwillig bei sich tragen.

Solidarisch Mensch werden

Der Heidelberger Sozialethiker Ulrich Duchrow hat zum Thema "Solidarisch Mensch werden" referiert. Dabei nahm er das Thema Gerechtigkeit in einer globalen Perspektive unter die Lupe und entdeckte konkrete Handlungsmöglichkeiten in der Frage, wie mit flüchtenden Menschen umzugehen sei. Dem Geld folge die Geldgier, der Kapitalismus sei ein schlechter Religionsersatz, der Neoliberalismus führe zu Entsolidarisierung, bilanzierte Duchrow höchst kritisch. Der das Leben zerstörende Klimawandel als Resultat menschlichen Wirtschaftens zwinge nun endgültig zur Umkehr. Das weltweite Aufwachen der Kirchen in diesen Existenzfragen hätten die Kirchen in Deutschland zunächst verschlafen, meinte der Theologe.

Seine Ausführungen wurden ergänzt durch die lokale Perspektive der Reutlinger Asylpfarrerin Ines Fischer. Die Hörerschar zeigte sich angetan davon, wie erfrischend und anregend ein vermeintlich altlinker Politjargon wirken kann.

Prof. Christof Voigt

Digitale Grundrechte

Die Big-Data-Spezialistin Yvonne Hofstetter aus München erläuterte in ihrem Vortrag, wie die globalen digitalen Medien-Unternehmen ungeheure Datenmengen sammeln und zusammenführen und so das Verhalten von Konsumenten nicht nur kennen, sondern nach ökonomischen Interessen auch steuern. Für diese Machtballung gebe es keinerlei rechtliche oder politische Legitimation. Nie hat ein Parlament darüber abgestimmt. Menschen machten einfach mit, weil sie sich kaum vollständig entziehen könnten, obwohl – so die Juristin Hofstetter – ein permanenter Konflikt mit den Grundrechten bestehe.

Für die Frage einer grünen Stadträtin aus der Nachbarstadt Tübingen, ob die digitalen Medien nicht auch einen Gewinn für die Demokratie bedeuten könnten, hatte die Referentin nur ein müdes Lächeln übrig und antwortete mit dem Titel ihres jüngsten Buches: Das Ende der Demokratie. Hoffnung sieht sie aber doch darin, dass nun endlich die große Politik auf diese entscheidenden Zukunftsfragen aufmerksam werde. Zusammen mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und anderen zivilgesellschaftlich Engagierten ist Yvonne Hofstetter an einem einmaligen Vorgang beteiligt: Erstmals wird Anfang Dezember eine Gesetzesvorlage zu digitalen Grundrechten direkt dem zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments vorgestellt. Gleichzeitig stoßen große Zeitungen eine Debatte über diese Fragen an.

Prof. Christof Voigt