Studium Generale - Eintritt frei

Seit einigen Jahren bietet die Theologische Hochschule Reutlingen gemeinsam mit der Hochschule Reutlingen, der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg - Campus Reutlingen, der evangelisch-katholischen Hochschulgemeinde und Campus Reutlingen e.V. Vorlesungsreihen zu Themen an, die die Gesellschaft aktuell und oft kontrovers diskutiert.

 

Mittwoch, 21. November 2018, 18.15 Uhr
Hochschule Reutlingen, Gebäude 9, Raum 040

Automatisiertes Fahren – Ein alter Traum oder die Zukunft der Mobilität?

Automatisiertes Fahren, elektrifizierte Antriebskonzepte sowie neue Geschäftsmodelle für die kooperative Mobilität in der „Sharing Economy“ sind die aktuell wichtigsten Trends im Automobilsektor. Diese drei Themenkomplexe können nicht völlig unabhängig voneinander betrachtet werden, da sie an vielen Stellen eng verzahnt sind. Darüber hinaus ist in dieser globalen Branche stets die internationale Perspektive von großer Bedeutung. Den Schwerpunkt des Vortrags bilden die Grundbegriffe, die technischen Entwicklungen und Hintergründe sowie die Herausforderungen beim automatisierten Fahren. Dabei wird auch der anspruchsvolle Schritt von Autobahn-Anwendungen hin zum überaus komplexen Verkehrsgeschehen in städtischen Umgebungen eine Rolle spielen. Zudem wird Ulrich Eberle die Unterschiede zwischen „Automatisierung“ und „Autonomie“ erklären und Herausforderungen analysieren, die nicht nur technischer Natur sind: Bei aller Technologiebegeisterung muss immer der Mensch bzw. seine Fähigkeiten und Bedürfnisse als Maß der Dinge im Fokus der Aktivitäten bleiben.

Dr. Ulrich Eberle
Dr. Ulrich Eberle
ist „Senior Project Lead Advanced Technology“ bei Opel Automobile / Groupe PSA und konzentriert sich auf neuartige Methoden und Konzepte für die Entwicklung und Validierung automatisierter Fahrzeuge sowie neuer intelligenter Mobilitätssysteme. Er war Mitglied der Arbeitsgruppe „Wasserstoffspeicherung“ für das Nationale Innovationsprogramm der Bundesregierung sowie der „Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking“, einer Partnerschaft der EU Kommission und der europäischen Energie- und Transportindustrie.

Termine im Sommersemester 2018/2019

Deckblatt Flyer Studium Generale 2018/2019

Das aktuelle Programm als pdf-Datei zum Herunterladen.

 

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 18.15 Uhr
Künstliche Intelligenz und Ethik – Zur digitalen Transformation der Gesellschaft
Prof. Dr. phil. Dipl.-Ing. (FH) Michael Wörz 
Ort: Theologische Hochschule Reutlingen, Aula

 

Mittwoch, 7. November 2018, 18.15 Uhr
Internet of Things – a Look at the Producer-Side (Vortrag in englischer Sprache)
Ainara Novales
Ort: Theologische Hochschule Reutlingen, Aula

 

Mittwoch, 21. November 2018, 18.15 Uhr
Automatisiertes Fahren – Ein alter Traum oder die Zukunft der Mobilität?
Dr. Ulrich Eberle
Ort: Hochschule Reutlingen,Gebäude 9, Raum 040

 

Mittwoch, 5. Dezember 2018, 18.15 Uhr
Menschen und autonome Systeme – wie passt das nur zusammen?
Prof. Dr.-Ing. Cristóbal Curio
Ort: Hochschule Reutlingen, Gebäude 9, Raum 005

 

Bericht vom Mittwoch, 7. November 2018

Das Internet der Dinge

Wenn der Kühlschrank meldet, welches Ei ins Omelette soll

Per Tastendruck am Smartphone den Toaster so in Gang setzen, dass das Röstbrot exakt zum geplanten Zeitpunkt und mit der gewünschten Knusprigkeit auf den Frühstücksteller kommt, und dazu den Kaffeeautomaten anweisen, zum Toast eine Tasse schmackhaften Kaffees bereitzustellen - alles kein Problem für das Internet der Dinge. Dieses macht herkömmliche Produkte wie den Toaster oder die Kaffeemaschine smart, indem es sie mit Konnektivität - vor allem zum Smartphone - ausstattet.

In einem munteren und kurzweiligen Vortrag in der THR am 7. November 2018 im Rahmen des Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen stellte die Referentin Ainara Novales solche und weitere Produkte vor. Sie forscht als Doktorandin an der Hochschule Reutlingen und der Rotterdam School of Management. Ihr Ausgangspunkt war die ökonomische Seite des Fortschritts, nicht die technische. Und als Ökonomin interessierte sie sich in ihrem Vortrag mehr für die Produzenten als für die Verbraucher.

Wo habe ich mein Auto abgestellt? Mein Smartphone kennt den aktuellen Standort. Es weiß auch, wie sparsam ich derzeit im Schnitt unterwegs bin. Wie steht es um mein Körpergewicht, meinen Puls, meine Atmung? Das Smartphone gibt Antwort. Und sogar die Eierschachtel im Kühlschrank meldet dem Smartphone, welches Ei als erstes (Verfallsdatum!) ins Omelette gehört - das wurde den Anwesenden per Liveübertragung eindrucksvoll vorgeführt (leider ohne Omelette).

Nicht überraschend, aber eben doch sehr interessant ist, dass die Hersteller eine Hauptaufgabe darin sehen, für ihre smarten Produkte überhaupt erst bedeutsame Nutzanwendungen für den Verbraucher zu suchen. - Mal sehen, ob eher die Nachfrage- oder die Angebotsseite den Markt bestimmen wird!

Die anschließende ebenso lebendige Diskussion brachte Fragen nach den ökonomischen Chancen und Risiken für die beherrschenden Weltmarktführer und die kleinen Nischenunternehmungen auf. Sehr konkret waren dann die Fragen nach dem erhöhten Energiebedarf, nach gesundheitlichen Risiken durch vermehrte Strahlung und nach der Datensicherheit. - Die Referentin antwortete im Großen und Ganzen mit einem fröhlichen Zukunftsoptimismus: Wir sind die Generation, die das jetzt 'mal probiert.

Christof Voigt

Bericht zum Vortrag am 24. Oktober 2018

Übernehmen Roboter die Seelsorge?

Die Frage blieb offen. Aber die gefühlte Antwort war: Auf gar keinen Fall - und dennoch wird es bald so kommen! Prof. Dr. Michael Wörz hielt im Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen den Eröffnungsvortrag in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen mit dem Titel „Künstliche Intelligenz und Ethik – Zur digitalen Transformation der Gesellschaft".

Michael Wörz ist Diplom-Ingenieur und Philosoph und Referent für Wissenschaftsethik an den Hochschulen Baden-Württembergs, also der Ideengeber und Ansprechpartner für zahllose Ethikbeauftragte an den Hochschulen. In seinem einleitenden Vortrag hob er darauf ab, dass mit den Kategorien von Aufklärung und Moderne die ungeheuer schnelle Entwicklung der KI (der Künstlichen Intelligenz) und die Folgen nicht mehr zu fassen seien. Das Denken müsse sich also bis in seine ersten Voraussetzungen hinein auf neue Gegebenheiten einstellen. Dann eröffnete Wörz einen sokratischen Dialog (wie er es nannte) und gewann wertvolle Beiträge im Zwiegespräch mit der sehr zahlreichen Hörerschar, die sich als höchst kompetent erwies. KI ist dadurch gekennzeichnet, dass Maschinen nunmehr selber lernen, also wachsen und sich verbessern. Die Entwicklung der KI schreitet schnell und dynamisch voran: Inzwischen führen Computer nicht nur Steuerprüfungen durch und helfen bei der medizinischen Diagnostik, sondern verfassen auch Zeitungsartikel und schreiben sogar Gedichte, komponieren und malen. Kein Bereich der Arbeitswelt wird von den Folgen dieser Entwicklung ausgenommen sein. Oder vielleicht doch das, was mit Empathie, Emotionalität oder Intimität zu tun hat? Seelsorge?? Man kann sich nicht einmal in dieser Frage mehr sicher sein. Wie der Fortschritt zu steuern sei - wenn überhaupt -, diese Frage blieb am Ende offen. Es dürfte schon jetzt Lebensbereiche geben, in denen nicht der Mensch die Maschine steuert, sondern andersherum der Mensch von der Maschine gesteuert wird.

Dem Referenten war daran gelegen, in der THR immer wieder die Theologie in die Diskussion einzubeziehen: Wird KI das theologisch Höchste überflüssig machen oder ersetzen? Wie sind Bereiche von Zwischenmenschlichkeit, Empathie und Liebe zu bewahren? Was sind Sinn-Entwürfe für den Menschen? Hier liegt eine Fülle von Aufgaben, die die Theologie im Kern betreffen. Prof. Dr. Michael Wörz meinte: Wenn Theologie sich nicht jetzt um Antworten auf diese Fragen bemühe, werde es für sie bald zu spät sein, genau so wie für das Projekt der Moderne, die Demokratie.

Christof Voigt

Am Mittwoch den 04. Juli 2018 sprach Bischof Martin Hein an unserer Hochschule zum Thema:

„Glauben wir an denselben Gott? – Zur Gottesvorstellung in Christentum und Islam"

Hier können Sie den Vortrag nachhören (48:05, 23 MB).

Manchmal ist es der Islam, der die aufgeklärte westliche Welt daran erinnert, dass Religion das Leben von Menschen bestimmen kann. So begegnen sich in Christentum und Islam ganz verschiedene Welten. Das geschieht im globalen Maßstab ebenso wie auf der lokalen Ebene. Schon an einer einfachen Frage scheiden sich die Geister: Ist der Gott von Christen und Muslimen ein und derselbe? Wie kann darüber eigentlich befunden werden? Und kann über so etwas wie Gott überhaupt rational und aus der Distanz gesprochen werden? Über diese grundlegenden Fragen spricht Bischof Martin Hein.

Prof. Dr. Martin Hein
Prof. Dr. Martin Hein
ist seit 2000 Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und seit 2014 Mitglied des Deutschen Ethikrats.

Bericht zum Studium Generale im Wintersemester 2016/17 „Verantwortung für die Gesellschaft“

"Geld und Entsolidarisierung hängen eng zusammen" war eine der aufrüttelnden Thesen des Theologen Prof. Dr. Ulrich Duchrow. Für die Juristin, Unternehmerin und Bestseller-Autorin Yvonne Hofstetter ist das Smartphone nicht ein Telefon, sondern ein Messgerät, das naive Menschen zur Vermessung ihrer eigenen Person freiwillig bei sich tragen.

Video vom Vortrag im November 2016

Aufzeichnung des Vortrags "Solidarisch Mensch werden" mit

  • Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg
  • Ines Fischer, Asylpfarrerin in der Evangelischen Prälatur Reutlingen

Solidarisch Mensch werden

Der Heidelberger Sozialethiker Ulrich Duchrow hat zum Thema "Solidarisch Mensch werden" referiert. Dabei nahm er das Thema Gerechtigkeit in einer globalen Perspektive unter die Lupe und entdeckte konkrete Handlungsmöglichkeiten in der Frage, wie mit flüchtenden Menschen umzugehen sei. Dem Geld folge die Geldgier, der Kapitalismus sei ein schlechter Religionsersatz, der Neoliberalismus führe zu Entsolidarisierung, bilanzierte Duchrow höchst kritisch. Der das Leben zerstörende Klimawandel als Resultat menschlichen Wirtschaftens zwinge nun endgültig zur Umkehr. Das weltweite Aufwachen der Kirchen in diesen Existenzfragen hätten die Kirchen in Deutschland zunächst verschlafen, meinte der Theologe.

Seine Ausführungen wurden ergänzt durch die lokale Perspektive der Reutlinger Asylpfarrerin Ines Fischer. Die Hörerschar zeigte sich angetan davon, wie erfrischend und anregend ein vermeintlich altlinker Politjargon wirken kann.

Prof. Christof Voigt

Digitale Grundrechte

Die Big-Data-Spezialistin Yvonne Hofstetter aus München erläuterte in ihrem Vortrag, wie die globalen digitalen Medien-Unternehmen ungeheure Datenmengen sammeln und zusammenführen und so das Verhalten von Konsumenten nicht nur kennen, sondern nach ökonomischen Interessen auch steuern. Für diese Machtballung gebe es keinerlei rechtliche oder politische Legitimation. Nie hat ein Parlament darüber abgestimmt. Menschen machten einfach mit, weil sie sich kaum vollständig entziehen könnten, obwohl – so die Juristin Hofstetter – ein permanenter Konflikt mit den Grundrechten bestehe.

Für die Frage einer grünen Stadträtin aus der Nachbarstadt Tübingen, ob die digitalen Medien nicht auch einen Gewinn für die Demokratie bedeuten könnten, hatte die Referentin nur ein müdes Lächeln übrig und antwortete mit dem Titel ihres jüngsten Buches: Das Ende der Demokratie. Hoffnung sieht sie aber doch darin, dass nun endlich die große Politik auf diese entscheidenden Zukunftsfragen aufmerksam werde. Zusammen mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und anderen zivilgesellschaftlich Engagierten ist Yvonne Hofstetter an einem einmaligen Vorgang beteiligt: Erstmals wird Anfang Dezember eine Gesetzesvorlage zu digitalen Grundrechten direkt dem zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments vorgestellt. Gleichzeitig stoßen große Zeitungen eine Debatte über diese Fragen an.

Prof. Christof Voigt