Studium Generale

Themen, die die Gesellschaft aktuell und oft kontrovers diskutiert

Studium Generale - Eintritt frei

Seit einigen Jahren bietet die Theologische Hochschule Reutlingen gemeinsam mit der Hochschule Reutlingen, der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg - Campus Reutlingen, der evangelisch-katholischen Hochschulgemeinde und Campus Reutlingen e.V. Vorlesungsreihen zu Themen an, die die Gesellschaft aktuell und oft kontrovers diskutiert.

An den Veranstaltungen kann via Zoom teilgenommen werden. Bitte beachten Sie die Links bei den jeweiligen Terminen.

Medien. Macht. Wirklichkeit

Mittwoch, 19. Mai 2021, 18:15 Uhr

Informationspopulismus: Digitale Echokammern – degenerierter Debattenraum? 

Populismus und das Postfaktische gewinnen in den letzten Jahren immer mehr an Fahrt. Der Duden definiert „postfaktisch“ als eine Entwicklung, „in der die Bedeutung von Tatsachen stark abnimmt“. Offenbar spielt die Auseinandersetzung mit Fakten eine immer geringere Rolle in Gesellschaft und Politik. Soziologie und Politikwissenschaft prophezeien eine historische Zeitenwende: weg von einer liberalen Demokratie hin zu einer nationalistischen Weltordnung. Entsprechende autokratische Führungsfiguren sind unter anderem Boris Johnson oder Wladimir Putin. Deren mediale Kommunikation setzt auf Filterblasen und Simplifizierungen.

In seinem Vortrag thematisiert Bodo Herzog die Entstehung des Populismus sowie die politische Ökonomie seiner rech- ten und linken Ausprägungen. Dabei beleuchtet er auch die Wechselwirkung zwischen Demokratie und (pluralistischem) Debattenraum.

Teilnahme via Zoom

Dr. Stephan von Twardowski, Christof Voigt

Prof. Dr. Bodo Herzog
lehrt Makroökonomik (Geldtheorie) an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen. Zuvor war er u. a. Leiter des Teams Wirtschaftspolitik der Konrad- Adenauer-Stiftung.

Mittwoch, 5. Mai 2021, 18:15 Uhr

Wie bilde ich mir eine Meinung?

Zur Informations- und Meinungsbildungskompetenz in Zeiten der „Infodemie“

Hätte Donald Trump in Zeiten vor Twitter, Facebook & Co. nahezu unbegrenzt Unwahrheiten absetzen können und damit Gehör bei seinem Publikum gefunden? Wären damals ebenso Verschwörungsmythen und Desinformationen zu Corona verbreitet worden wie in der aktuellen „Infodemie“? Wohl eher nicht. Die Nachrichten- und Informationswelt hat sich in den letzten 20 Jahren gravierend verändert. Es lassen sich Entwicklungen im Medien- system beobachten, die eine Verständigung über Fakten und einen Zusammenhalt der Gesellschaft erschweren.

Information und freie Meinungsbildung ist die DNA für ein selbstbestimmtes Leben in einer Gesellschaft, die auf Freiheit, Verständigung, Wahrhaftigkeit und das Aushandeln politischer, sozialer und wirtschaftlicher Interessen beruht. Hier ist das Streben nach Wahrheit und die Wissenschaft als Referenzsystem für Fakten unabdingbar.

Im Vortrag stellen sich folgende Fragen: Wie kann man sich kompetent informieren und eine fundierte Meinung bilden? Was sind mögliche Auswirkungen von Desinformation? Was wird aus einer Gesellschaft, wenn Wahrheit verhandelbar zu sein scheint? Wie können sich Menschen eine Haltung der Wahrhaftigkeit und Demokratie-Wertschätzung aneignen?

Dr. Stephan von Twardowski, Christof Voigt

Prof. Dr. phil. Petra Grimm
ist Professorin für Medienforschung und Kommunikationswissenschaft sowie Ethikbeauftragte an der Hochschule der Medien, Stuttgart. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u. a. die Digitalisierung der Gesellschaft, Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen sowie Medien und Gewalt.

Flyer Studium Generale Sommersemester 2021

Der aktuelle Flyer 
als PDF-Datei zum Herunterladen.

Termine im Sommersemester 2021

Das aktuelle Programm als PDF-Datei zum Herunterladen.

 

Mittwoch, 5. Mai 2021, 18.15 Uhr
Wie bilde ich mir eine Meinung?
Zur Informations- und Meinungsbildungskompetenz in Zeiten der „Infodemie“
Prof. Dr. phil. Petra Grimm

Als Video auf dem THR-YouTube-Kanal
Lesen Sie den Bericht über den Vortrag

Mittwoch, 19. Mai 2021, 18.15 Uhr
Informationspopulismus:
Digitale Echokammern – degenerierter Debattenraum?
Prof. Dr. Bodo Herzog
Teilnahme via Zoom

 

Mittwoch, 16. Juni 2021, 18.15 Uhr
„MEDIEN – mach(T)en – wirklichKEIT“
Von Algorithmus und Wirklichkeit
Prof. Anja Hartmann und Prof. Dr. Gabriela Tullius

 

 

* Die Zoom-Accounts werden von der Hochschule Reutlingen und der EH Ludwigsburg zur Verfügung gestellt.

Videos und Berichte Wintersemester 2020/21

Mittwoch, 4. November 2020, 18.15 Uhr
Das Corona-Wörterbuch
Über die Macht der Sprache in politischen Debatten

Dr. Eric Wallis

Als Video auf dem THR-YouTube-Kanal

Lesen Sie hier den Bericht über den Vortrag.

Mittwoch, 18. November 2020, 18.15 Uhr
Schulterschluss einer neuen politischen Rechten in Zeiten von Corona?
Hans Probst
Als Video auf dem THR-YouTube-Kanal

Lesen Sie hier den Bericht über den Vortrag.

Mittwoch, 25. November 2020, 18.15 Uhr
Wo war/ist die Kirche in der Corona-Krise?
Prälatin Gabriele Arnold
Als Video auf dem THR-YouTube-Kanal

Lesen Sie hier den Bericht über den Vortrag.

Mittwoch, 9. Dezember 2020, 18.15 Uhr
Führung in der (Corona)-Krise

Prof. Dr. jur. Bernd E. Banke
Als Video auf dem THR-YouTube-Kanal

Mittwoch, 16. Dezember 2020, 18.15 Uhr
Der Mensch und die Corona-Pandemie: Wer sind wir? Wer wollen wir sein? Philosophisch-theologische Überlegungen

Prof. Dr. Stephan von Twardowski
Prof. Christof Voigt
Als Video auf dem THR-YouTube-Kanal

 

* Die Zoom-Accounts werden von der Hochschule Reutlingen und der EH Ludwigsburg zur Verfügung gestellt.

Rückblick

Am Mittwoch den 04. Juli 2018 sprach Bischof Martin Hein an unserer Hochschule zum Thema:

„Glauben wir an denselben Gott? – Zur Gottesvorstellung in Christentum und Islam"

Hier können Sie den Vortrag nachhören (48:05, 23 MB).

Manchmal ist es der Islam, der die aufgeklärte westliche Welt daran erinnert, dass Religion das Leben von Menschen bestimmen kann. So begegnen sich in Christentum und Islam ganz verschiedene Welten. Das geschieht im globalen Maßstab ebenso wie auf der lokalen Ebene. Schon an einer einfachen Frage scheiden sich die Geister: Ist der Gott von Christen und Muslimen ein und derselbe? Wie kann darüber eigentlich befunden werden? Und kann über so etwas wie Gott überhaupt rational und aus der Distanz gesprochen werden? Über diese grundlegenden Fragen spricht Bischof Martin Hein.

Prof. Dr. Martin Hein
Prof. Dr. Martin Hein
ist seit 2000 Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und seit 2014 Mitglied des Deutschen Ethikrats.

Bericht zum Studium Generale im Wintersemester 2016/17 „Verantwortung für die Gesellschaft“

"Geld und Entsolidarisierung hängen eng zusammen" war eine der aufrüttelnden Thesen des Theologen Prof. Dr. Ulrich Duchrow. Für die Juristin, Unternehmerin und Bestseller-Autorin Yvonne Hofstetter ist das Smartphone nicht ein Telefon, sondern ein Messgerät, das naive Menschen zur Vermessung ihrer eigenen Person freiwillig bei sich tragen.

Video vom Vortrag im November 2016

Aufzeichnung des Vortrags "Solidarisch Mensch werden" mit

  • Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg
  • Ines Fischer, Asylpfarrerin in der Evangelischen Prälatur Reutlingen

Solidarisch Mensch werden

Der Heidelberger Sozialethiker Ulrich Duchrow hat zum Thema "Solidarisch Mensch werden" referiert. Dabei nahm er das Thema Gerechtigkeit in einer globalen Perspektive unter die Lupe und entdeckte konkrete Handlungsmöglichkeiten in der Frage, wie mit flüchtenden Menschen umzugehen sei. Dem Geld folge die Geldgier, der Kapitalismus sei ein schlechter Religionsersatz, der Neoliberalismus führe zu Entsolidarisierung, bilanzierte Duchrow höchst kritisch. Der das Leben zerstörende Klimawandel als Resultat menschlichen Wirtschaftens zwinge nun endgültig zur Umkehr. Das weltweite Aufwachen der Kirchen in diesen Existenzfragen hätten die Kirchen in Deutschland zunächst verschlafen, meinte der Theologe.

Seine Ausführungen wurden ergänzt durch die lokale Perspektive der Reutlinger Asylpfarrerin Ines Fischer. Die Hörerschar zeigte sich angetan davon, wie erfrischend und anregend ein vermeintlich altlinker Politjargon wirken kann.

Prof. Christof Voigt

Digitale Grundrechte

Die Big-Data-Spezialistin Yvonne Hofstetter aus München erläuterte in ihrem Vortrag, wie die globalen digitalen Medien-Unternehmen ungeheure Datenmengen sammeln und zusammenführen und so das Verhalten von Konsumenten nicht nur kennen, sondern nach ökonomischen Interessen auch steuern. Für diese Machtballung gebe es keinerlei rechtliche oder politische Legitimation. Nie hat ein Parlament darüber abgestimmt. Menschen machten einfach mit, weil sie sich kaum vollständig entziehen könnten, obwohl – so die Juristin Hofstetter – ein permanenter Konflikt mit den Grundrechten bestehe.

Für die Frage einer grünen Stadträtin aus der Nachbarstadt Tübingen, ob die digitalen Medien nicht auch einen Gewinn für die Demokratie bedeuten könnten, hatte die Referentin nur ein müdes Lächeln übrig und antwortete mit dem Titel ihres jüngsten Buches: Das Ende der Demokratie. Hoffnung sieht sie aber doch darin, dass nun endlich die große Politik auf diese entscheidenden Zukunftsfragen aufmerksam werde. Zusammen mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und anderen zivilgesellschaftlich Engagierten ist Yvonne Hofstetter an einem einmaligen Vorgang beteiligt: Erstmals wird Anfang Dezember eine Gesetzesvorlage zu digitalen Grundrechten direkt dem zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments vorgestellt. Gleichzeitig stoßen große Zeitungen eine Debatte über diese Fragen an.

Prof. Christof Voigt