Studium Generale - Eintritt frei

Seit einigen Jahren bietet die Theologische Hochschule Reutlingen gemeinsam mit der Hochschule Reutlingen, der ekhg und Campus Reutlingen e.V. Vorlesungsreihen zu Themen an, die die Gesellschaft aktuell und oft kontrovers diskutiert.

 

Vortrag am Mittwoch, 17. Mai, 18:15 Uhr

Das erschöpfte Selbst und die Rechtfertigung - befreiende Impulse der Reformation

Die spätmoderne Suche nach gelungenem Leben ist anstrengend. Nicht selten bleibt der/die Einzelne dabei auf der Strecke (Burnout). Menschen fühlen sich heute in ganz unterschiedlichen Lebens- und Arbeitssituationen überfordert und erschöpft. Im Vortrag werden soziologische, psychologische und theologische Gründe für diese Entwicklung herausgearbeitet und Impulse aus der christlichen Reformation vor 500 Jahren für einen heilsamen Umgang mit den Phänomenen der „Müdigkeitsgesellschaft“ (B.-C. Han) aufgezeigt.

Dr. Holger Eschmann ist Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Reutlingen. Eines seiner Spezialgebiete ist die Burnoutforschung.

Veranstaltungsort: Theologische Hochschule Reutlingen - Aula (Lehrgebäude), Friedrich-Ebert-Str. 31

 

Video vom Vortrag im November 2016

Aufzeichnung des Vortrags "Solidarisch Mensch werden" mit

  • Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg
  • Ines Fischer, Asylpfarrerin in der Evangelischen Prälatur Reutlingen

Termine im Sommersemester 2017

Das aktuelle Programm kann als pdf-Datei heruntergeladen werden.

 

Dienstag, 4. April, 19 Uhr
Geld, Gesundheit, Gewissen – Ist die Legalisierung von Cannabis überfällig?
Podiumsdiskussion
Ort: Hochschule Reutlingen, Alteburgstr. 150

 

Dienstag, 9. Mai, 18:15 Uhr
Die Welt aus den Fugen – die Zukunft der europäischen Union 
Prof. emer. Dr. Hans J. Tümmers
Ort: Hochschule Reutlingen, Alteburgstr. 150, Gebäude 9/Raum 040

Mittwoch, 17. Mai, 18:15 Uhr
Das erschöpfte Selbst und die Rechtfertigung - befreiende Impulse der Reformation
Prof. Dr. Holger Eschmann
Ort: Theologische Hochschule Reutlingen, Friedrich-Ebert-Str. 31

Dienstag, 30. Mai, 14:30 Uhr
Diversity der Generationen - auf jede kommt es an
Monika Rühl
Ort: Hochschule Reutlingen, Alteburgstr. 150, Gebäude 17/Pavillon (Eingang unten)

Bericht zum Studium Generale im Wintersemester 2016/17 „Verantwortung für die Gesellschaft“

"Geld und Entsolidarisierung hängen eng zusammen" war eine der aufrüttelnden Thesen des Theologen Prof. Dr. Ulrich Duchrow. Für die Juristin, Unternehmerin und Bestseller-Autorin Yvonne Hofstetter ist das Smartphone nicht ein Telefon, sondern ein Messgerät, das naive Menschen zur Vermessung ihrer eigenen Person freiwillig bei sich tragen.

Solidarisch Mensch werden

Der Heidelberger Sozialethiker Ulrich Duchrow hat zum Thema "Solidarisch Mensch werden" referiert. Dabei nahm er das Thema Gerechtigkeit in einer globalen Perspektive unter die Lupe und entdeckte konkrete Handlungsmöglichkeiten in der Frage, wie mit flüchtenden Menschen umzugehen sei. Dem Geld folge die Geldgier, der Kapitalismus sei ein schlechter Religionsersatz, der Neoliberalismus führe zu Entsolidarisierung, bilanzierte Duchrow höchst kritisch. Der das Leben zerstörende Klimawandel als Resultat menschlichen Wirtschaftens zwinge nun endgültig zur Umkehr. Das weltweite Aufwachen der Kirchen in diesen Existenzfragen hätten die Kirchen in Deutschland zunächst verschlafen, meinte der Theologe.

Seine Ausführungen wurden ergänzt durch die lokale Perspektive der Reutlinger Asylpfarrerin Ines Fischer. Die Hörerschar zeigte sich angetan davon, wie erfrischend und anregend ein vermeintlich altlinker Politjargon wirken kann.

Prof. Christof Voigt

Digitale Grundrechte

Die Big-Data-Spezialistin Yvonne Hofstetter aus München erläuterte in ihrem Vortrag, wie die globalen digitalen Medien-Unternehmen ungeheure Datenmengen sammeln und zusammenführen und so das Verhalten von Konsumenten nicht nur kennen, sondern nach ökonomischen Interessen auch steuern. Für diese Machtballung gebe es keinerlei rechtliche oder politische Legitimation. Nie hat ein Parlament darüber abgestimmt. Menschen machten einfach mit, weil sie sich kaum vollständig entziehen könnten, obwohl – so die Juristin Hofstetter – ein permanenter Konflikt mit den Grundrechten bestehe.

Für die Frage einer grünen Stadträtin aus der Nachbarstadt Tübingen, ob die digitalen Medien nicht auch einen Gewinn für die Demokratie bedeuten könnten, hatte die Referentin nur ein müdes Lächeln übrig und antwortete mit dem Titel ihres jüngsten Buches: Das Ende der Demokratie. Hoffnung sieht sie aber doch darin, dass nun endlich die große Politik auf diese entscheidenden Zukunftsfragen aufmerksam werde. Zusammen mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und anderen zivilgesellschaftlich Engagierten ist Yvonne Hofstetter an einem einmaligen Vorgang beteiligt: Erstmals wird Anfang Dezember eine Gesetzesvorlage zu digitalen Grundrechten direkt dem zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments vorgestellt. Gleichzeitig stoßen große Zeitungen eine Debatte über diese Fragen an.

Prof. Christof Voigt