Gemeindebesuche

Für unsere Hochschule mit dem Anspruch praxisorientiert zu sein (Profil unserer Hochschule), haben Gemeindebesuche einen festen Platz in unserem Lehrbetrieb. Studierende aus allen Semestern zusammen mit den Lehrenden besuchen deswegen jedes Jahr mehrere Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), in deren Trägerschaft wir sind.

Diese Besuche geben den Studierenden wertvolle Einblicke in die Arbeit von Kirchengemeinden und ermöglichen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen, die das Gemeindeleben mitgestalten. 

Außerdem können Gemeinden einen interessanten Gottesdienst erleben, die Arbeit der Hochschule kennenlernen und einen Eindruck gewinnen, wie die Ausbildungsstätte, aus der ihre Gemeindereferent*innen, Jugendreferent*innen und Pastor*innen kommen, tickt.

Sie haben als Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche Interesse an einem Besuch der Hochschule? Schicken Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns an: +49 (0) 7121 92 59 - 0.

 

Eindrücken von Besuchen im Wintersemester 2017/2018

EmK Zürich 4 vom 18. - 19. November 2017

Hier der lebhafte Bericht von Katrin, eine der acht Studierenden, die zu der Zeit doch noch recht neu an der THR waren, und mit Frau Prof. Dr. Schuler in die Schweiz fuhren:

„Warum Zürich? Zunächst einfach, weil es exotisch erscheint. Und das war einerseits richtig, andererseits aber auch nicht. Vieles sieht genauso aus und riecht auch genauso wie in Deutschland. Schlechtes Wetter an einem Samstagnachmittag zum Beispiel.

Die Begrüßung am Zürcher Hauptbahnhof war noch recht deutsch: Pastor Dominic Schuler hat uns mit seinem freundlichen Hund abgeholt und wir sind in die gastgebende Gemeinde gelaufen.

Was dort überragend war, war die Gastfreundschaft. An einem trüben Novembertag mit warmen Getränken und feinster Schokolade begrüßt zu werden – das hatte was!

Wir haben viel gehört von „Zürich 4“ - das ist der Name der Gemeinde, die im Stadtteil Außersihl liegt. Pastor Dr. Christoph Schluep hat uns ein Heim und einen guten Einblick gegeben, in das, was in diesem Stadtteil und der darin liegenden Gemeinde so alles zu erleben ist.

Es ist ein Faszinosum: gleich hinter der Gemeinde beginnt das Rotlichtviertel von Zürich, und nur knappe zehn Gehminuten entfernt liegen der Paradeplatz und die Bahnhofsstraße. Hier ein Mittagstisch, der alle Menschen einlädt, dort ein Geschäft, das ein Paar Schuhe für 1.500,- CHF feilbietet – vermutlich ein Sonderangebot.

Die Stadt haben wir uns erlaufen, Christoph war ein guter Führer und wusste vieles zu sagen zu alten und neuen Bauwerken, zur Reformation in Zürcher Prägung – und zu jener gegen die katholischen Heere verlorenen Schlacht, die gewonnen gewesen wäre, wenn das Heer der Reformierten aus dem Berner Oberland etwas fixer am Kampfesort eingetroffen wären. Die Schlacht konnte die Reformation nicht zurückdrehen und den Bernern ist längst verziehen. Auch das Grossmünster haben wir uns angesehen, aber leider nicht die Chagall-Glasfenster im Frauenmünster, alles war nicht zu schaffen. Wir haben viel gehört über sakrale und Straßen-Kunst und zu den Baustellen, zur Bevölkerungsentwicklung und der dem Viertel, in dem die Gemeinde liegt, drohenden Gentrifizierung. Es ist unklar, was dann mit den Menschen wird, die derzeit noch in diesem Viertel wohnen.

Danach haben wir einen Einblick bekommen, wie diese Gemeinde ihr Kirche in der Welt sein lebt: Mit dem „Netz4“ - so heißt die sozialdiakonische Arbeit der EMK Zürich 4 im Quartier, die im Jahr 1991 entstand, als ein paar enthusiastische junge Erwachsene den Clochard auf der Kirchentreppe zum Anlass nahmen, eine diakonische Arbeit für das Quartier anzubieten. Zusammen mit der Generation der SeniorInnen gründeten sie eine Gassenküche, die bis heute jeden Freitag für ca. 100 Personen Spaghetti kocht, Gemeinschaft bietet und soziale Beratung leistet. Damit ist „Zürich 4“ Kirche für andere, Kirche, die offen ist, Kirche, die keine Unterschiede macht und sich gerade dadurch unterscheidet.

Angesprochen werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus dem Kreis 4 und der ganzen Stadt Zürich. Angeboten werden Soziale Beratung, Freizeitgestaltung, gemeinsame Aktivitäten (Gemeinschaft, Diskussion, Kochen, Essen, Spiel und Spass), Aufgabenhilfe, Job- und Wohnungssuche für Menschen, die am Rand dieser Gesellschaft leben. Neben festangestellten Bereichsleitern wird die Arbeit hauptsächlich von Freiwilligen getragen, teils aus der Gemeinde, teils von den Gästen selbst. So wird Kirche auch außerhalb ihrer Mauern sichtbar und erfahrbar.

Alle Informationen, die Wege durch die Stadt und die vielen Eindrücke machten hungrig – und so kam ein weiteres exotisches zu uns auf den Tisch: Der wunderbare Peter, Koch im Ruhestand und voller Leidenschaft, servierte ein Käsefondue – das Wort ist bitte auf der dritten Silbe zu betonen! - und die Regeln kennen alle, die jemals „Asterix bei den Schweizern“ lasen: Wenn das Brot zu oft in den Topf fällt, erschallt der Ruf „in den See!“. Rauhe Sitten. Aber zum Glück wurde die Strafe nicht vollzogen.

Die Geschwister aus der Gemeinde haben wir in ihrer Fülle und Unterschiedlichkeit am Sonntagmorgen kennengelernt. Im Gottesdienst kommen alle zusammen: die üblichen Mittelschichtsmethodisten und die Menschen, die vom Angebot des Mittagstisches gern Gebrauch machen. Die Gemeinde ist bunt und gut gefüllt mit Menschen aller Altersgruppen. Gemeinsam haben wir gefeiert, das Abendmahl geteilt, miteinander gespielt und gegessen. Und da erwies sich einmal mehr, dass es doch exotisch ist, in der Schweiz. Es gibt Menschen, die sprechen kein Hochdeutsch. Aber mit gespitzten Ohren und gutem Willen hat es ganz gut geklappt mit der Verständigung.

Wir haben gesehen, wie sich Worte in Taten verwandeln lassen, wie ein sonst oft nur auf Drucksachen vorfindliches Konferenz-Motto zum Leben erweckt wird: "Mit Christus unterwegs - von Gott bewegt - den Menschen zugewandt." - in Zürich IV machen die Geschwister das einfach!

Mit großer Dankbarkeit und Segenswünschen für die Geschwister und ihre wunderbare Arbeit vor Ort haben wir uns am Sonntagnachmittag verabschiedet.“

Weitere Informationen zur EmK Zürich 4.

EmK Rothenbergen vom 13.-14. Januar 2018

Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) Rothenbergen lud Herrn Prof. Voigt und acht Studierende der Theologischen Hochschule Reutlingen ein, den „Gottes zum Auftanken“ am Samstagabend in der Kreuzkirche in Büdingen und den Bezirksgottesdienst am Sonntagmorgen in der Friedenskirche in Rothenbergen, zu gestalten.

Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Gottesdienstbesucher*innen und Gemeindemitglieder war beeindruckend. Hier der Rückblick von Janina:

„Der Gemeindebesuch war für mich ein bereicherndes Erlebnis. Zum einen weil ich die EmK-Gemeinden und die Leute dort näher kennen lernen konnte. Es war spannend mit den Menschen dort ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, was sie in ihren Gemeinden beschäftigt, welche Ziele, Hoffnungen oder auch Sorgen sie haben. Zum anderen hat es mich sehr berührt, wie viel Interesse die Menschen in den Gemeinden (nördlich des Mains ;-)) an unserer Hochschule und an uns Studierenden haben. Es tut gut zu wissen und ist Mut machend, dass andere Menschen an die THR denken und für uns beten.“

Danke liebe „Büdinger“ und „Rothenbergener“ für die schöne Zeit!