Demokratie leben und verändern

Reutlingen, 14.11.2019

Junge Menschen engagieren sich – ein Podium in der THR diskutiert die Demokratie der Zukunft

Junge Menschen, die teilweise noch nicht wahlberechtigt sind, finden neue Wege, um aktiv am politischen Geschehen teilzunehmen. Aber was treibt diese jungen Menschen zu ihrem Engagement? Wie ist ihr Demokratieverständnis und welche Forderungen haben sie an die Politik? Das diskutierten Ricarda Schneider und Sophia Wüsteney von „FridaysForFuture Reutlingen“, Lukas Eitel aus dem Jugendgemeinderat Reutlingen, sowie Charlotte Porsch und Maximilian Heckeler vom Uhland-Gymnasium Tübingen und Marion Fros vom Studierendenparlament der Hochschule Reutlingen auf einem Podium im Rahmen des Studium Generales der Reutlinger Hochschulen in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen.

„Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen.“ Mit diesem Zitat von Greta Thunberg starteten Schneider und Wüsteney ihren Kurzvortrag über die FridaysForFuture (kurz: FFF) Bewegung in Reutlingen. Ein halbes Jahr nach Greta Thunbergs Streik vor dem schwedischen Parlament und zwei Monate nach den ersten FFF-Demonstrationen in Deutschland gingen Schülerinnen und Schüler in Reutlingen für eine bessere Klimapolitik auf die Straße. Ihre Forderungen seien der Kohleausstieg bis 2030, 100 Prozent Versorgung mit erneuerbarer Energie und die „Nettonull“ bis 2035. Letzteres meint eine Reduzierung der CO2-Produktion auf ein Niveau, das von der Natur oder von Speichersystemen kompensiert werden kann. In Zusammenarbeit mit dem Jugendgemeinderat Reutlingen hätten sie einen Antrag beim Reutlinger Gemeinderat gestellt. Darin fordern sie, dass alle Entscheidungen im Gemeinderat auf die Folgen für das Klima geprüft werden und die Stadt Reutlingen bis 2030 klimaneutral sein soll.

Über einen Zeitraum von zehn Monaten haben Schülerinnen und Schüler des Uhland-Gymnasiums Tübingen in Kooperation mit ihren Lehrkräften das Projekt „Schule-als-Staat“ umgesetzt. Die gewählte Repräsentantin Charlotte Porsch, in ihrer Funktion als „Staatspräsidentin“, und der „Kanzler“ Maximilian Heckeler stellten das Projekt vor. Das Gymnasium verwandelte sich in einen eigenständigen Staat ohne Verfassung. Diese musste erst noch erarbeitet und von den beteiligten Schülerinnen und Schülern verabschiedet werden. Im Wahlkampf für die „Parlamentswahlen“ im Februar 2019 entstanden hitzige Diskussionen beispielswiese zum Thema Umwelt, berichtete Heckeler. Insgesamt hätten sich sieben Parteien gegründet, von denen sechs ins Parlament eingezogen seien, erläuterte Porsch. Von der Verabschiedung von Gesetzen, über eine eigene Währung bis hin zu eigenen wirtschaftlichen Betrieben, habe dieses Projekt alle nötigen Prozesse zur Staatsbildung vereint. 

Das Studierendenparlament (kurz: StuPa) der Hochschule Reutlingen ist das höchste beschlussfassende Organ aller Studierenden. Marion Fros ist Teil des StuPas und stellte die Tätigkeiten und Aufgabenfelder vor. Die gewählten Mitglieder vertreten die Studierenden und kümmern sich um das Leben auf dem Campus. In Referaten, wie beispielsweise „Kultur & Events“, „Diversity“ oder „Hochschulsport“ können sich alle Studierenden beteiligen. Den Vorsitz des StuPas hat der Allgemeine Studierendenausschuss der Hochschule (kurz: ASTA) inne. Dieser bestehe aus dem Vorsitz, dem Finanzreferat, der Schriftführung sowie zwei Beisitzenden. Er entscheide über die Gestattung von Projektanträgen und habe unter anderem das Ziel die Kooperation zwischen Studierenden und Präsidium zu fördern.

Der Jugendgemeinderat der Stadt Reutlingen besteht aus 24 Mitgliedern von unterschiedlichen Schulen im Stadtgebiet. Lukas Eitel hat sich zur Wahl aufstellen lassen und ein Mandat erhalten. Alle gewählten Vertreterinnen und Vertreter seien partei- und fraktionslos. Jede Schülerin und jeder Schüler habe die Möglichkeit, sich für die Wahlen aufstellen zu lassen, erklärte Eitel. Einen wichtigen Beitrag zur Arbeit des Jugendgemeinderats würden die verschiedenen Arbeitskreise leisten (kurz: AK): AK Nachtleben, AK ÖPNV, AK Umwelt und andere. Dort entstehen Ideen wie der Einbau von WLAN in die Reutlinger Busse und ähnliches. Diese Vorschläge reichten sie per Antrag in den Gemeinderat ein, der sie daraufhin bearbeitet. Zum Schluss seines Vortrags äußerte Eitel den Wunsch, dass er für den Jugendgemeinderat gerne ein Wahlrecht im Gemeinderat hätte.

In der abschließenden Diskussion wurden die Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Initiativen und Organisationen gefragt, was sie als Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin ändern würden. In einem Punkt waren sich alle einig: Sie würden die Klimapolitik vorantreiben. Daran anschließend solle die weltweite Kooperation der Länder verstärkt und die Souveränität der Staaten geschwächt werden, forderte Eitel. Denn nur dann könnten gemeinsame Ziele erreicht werden.

Der nächste Vortrag des Studium Generale findet am 20. November 2019 um 18.15 Uhr zum Thema „Digital und global, aber auch gerecht?“ auf dem Campus der Hochschule Reutlingen statt (Gebäude 9, Raum 040).

Christoph Grohsmann & Christof Voigt

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