Bericht vom 8. Mai 2019

Übernehmen Alexa, Siri und Google Home das Ruder?

Studium Generale thematisiert Technikglaube, neue Gottesbilder und technologischen Fortschritt

Welche Veränderungen entstehen für den Menschen durch die fortschreitende Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI)? Werden beispielsweise Intelligente Assistenten (wie Alexa, Siri und Google Home) immer mehr die Steuerung unseres Alltags übernehmen? Diese und weitere Fragen diskutierte Prof. Stephan von Twardowski von der Theologischen Hochschule Reutlingen in seinem Vortrag zum Thema „Und was wird aus uns? – Künstliche Intelligenz und das Selbstverständnis des Menschen“.

Die Künstliche Intelligenz ist bereits in vielen Lebensbereichen des Menschen integriert. Dabei soll sie nicht nur in Unternehmen Arbeits- und Produktionsprozesse optimieren, sondern auch das Leben von Menschen vereinfachen. Durch die Nutzung von sogenannten schwachen KI’s wie Smartphones, intelligenten Assistenzsystemen und Uhren wirken die Optimierungsprozesse direkt auf den Menschen. Darüber hinaus schreitet die technologische Entwicklung so rasant und in teilweise unabsehbarem Ausmaß voran, dass die Erwartung zunehme, die KI könne in Zukunft auch existenzielle und soziale Probleme lösen.

Stephan von Twardowski plädierte dafür, die Entwicklung der KI und die damit einhergehenden Veränderungen für den Menschen nüchtern zu betrachten. Aktuelle Diskussionen bewegten sich derzeit zwischen Euphorie und Apokalyptik. Dabei könnten durch eine sachliche und intensive Auseinandersetzung eher sinnvolle Grenzen und Kontrollen gesetzt werden.

Aber was genau ist Künstliche Intelligenz und wie wird sie definiert? Im Vergleich zu Geräten ohne KI, etwa einem Taschenrechner, gleichen KI’s aktuelle Daten mit alten ab: „Die Maschine trainiert sich selbst und verknüpft anschließend diese Daten miteinander.“ Dadurch entstehe ein neuronales System, welches die Grundlage für das so genannte „deep learning“ bilde - „deep“, weil dies unterhalb der Wahrnehmung des Menschen stattfinde. Prof. von Twardowski warnte vor einem blinden Vertrauen in Algorithmen, denn die neuralen Netze seien so komplex, dass sie kaum vom Menschen zu erfassen seien.

Die technische Entwicklung verändere die unterschiedlichsten Lebensbereiche des Menschen. Auch zwischenmenschliche Beziehungen und die Beziehung zu Gott seien da nicht ausgeschlossen. Viele Menschen hätten blindes Vertrauen in neue Technologien und gäben der KI eine nahezu gottähnliche, mächtige Funktion. Über diese veränderten Ideologien, blinden Technikglauben, aber auch überzogene Ängste vor der KI sollte nüchtern diskutiert werden. Nur dann könne der Einfluss der Künstlichen Intelligenz auf unseren Alltag realistisch eingeschätzt werden.

Christoph Grohsmann, Presseabteilung der Hochschule Reutlingen

Bericht vom 7. November 2018

Das Internet der Dinge

Wenn der Kühlschrank meldet, welches Ei ins Omelette soll

Per Tastendruck am Smartphone den Toaster so in Gang setzen, dass das Röstbrot exakt zum geplanten Zeitpunkt und mit der gewünschten Knusprigkeit auf den Frühstücksteller kommt, und dazu den Kaffeeautomaten anweisen, zum Toast eine Tasse schmackhaften Kaffees bereitzustellen - alles kein Problem für das Internet der Dinge. Dieses macht herkömmliche Produkte wie den Toaster oder die Kaffeemaschine smart, indem es sie mit Konnektivität - vor allem zum Smartphone - ausstattet.

In einem munteren und kurzweiligen Vortrag in der THR am 7. November 2018 im Rahmen des Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen stellte die Referentin Ainara Novales solche und weitere Produkte vor. Sie forscht als Doktorandin an der Hochschule Reutlingen und der Rotterdam School of Management. Ihr Ausgangspunkt war die ökonomische Seite des Fortschritts, nicht die technische. Und als Ökonomin interessierte sie sich in ihrem Vortrag mehr für die Produzenten als für die Verbraucher.

Wo habe ich mein Auto abgestellt? Mein Smartphone kennt den aktuellen Standort. Es weiß auch, wie sparsam ich derzeit im Schnitt unterwegs bin. Wie steht es um mein Körpergewicht, meinen Puls, meine Atmung? Das Smartphone gibt Antwort. Und sogar die Eierschachtel im Kühlschrank meldet dem Smartphone, welches Ei als erstes (Verfallsdatum!) ins Omelette gehört - das wurde den Anwesenden per Liveübertragung eindrucksvoll vorgeführt (leider ohne Omelette).

Nicht überraschend, aber eben doch sehr interessant ist, dass die Hersteller eine Hauptaufgabe darin sehen, für ihre smarten Produkte überhaupt erst bedeutsame Nutzanwendungen für den Verbraucher zu suchen. - Mal sehen, ob eher die Nachfrage- oder die Angebotsseite den Markt bestimmen wird!

Die anschließende ebenso lebendige Diskussion brachte Fragen nach den ökonomischen Chancen und Risiken für die beherrschenden Weltmarktführer und die kleinen Nischenunternehmungen auf. Sehr konkret waren dann die Fragen nach dem erhöhten Energiebedarf, nach gesundheitlichen Risiken durch vermehrte Strahlung und nach der Datensicherheit. - Die Referentin antwortete im Großen und Ganzen mit einem fröhlichen Zukunftsoptimismus: Wir sind die Generation, die das jetzt 'mal probiert.

Christof Voigt

Bericht vom 24. Oktober 2018

Übernehmen Roboter die Seelsorge?

Die Frage blieb offen. Aber die gefühlte Antwort war: Auf gar keinen Fall - und dennoch wird es bald so kommen! Prof. Dr. Michael Wörz hielt im Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen den Eröffnungsvortrag in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen mit dem Titel „Künstliche Intelligenz und Ethik – Zur digitalen Transformation der Gesellschaft".

Michael Wörz ist Diplom-Ingenieur und Philosoph und Referent für Wissenschaftsethik an den Hochschulen Baden-Württembergs, also der Ideengeber und Ansprechpartner für zahllose Ethikbeauftragte an den Hochschulen. In seinem einleitenden Vortrag hob er darauf ab, dass mit den Kategorien von Aufklärung und Moderne die ungeheuer schnelle Entwicklung der KI (der Künstlichen Intelligenz) und die Folgen nicht mehr zu fassen seien. Das Denken müsse sich also bis in seine ersten Voraussetzungen hinein auf neue Gegebenheiten einstellen. Dann eröffnete Wörz einen sokratischen Dialog (wie er es nannte) und gewann wertvolle Beiträge im Zwiegespräch mit der sehr zahlreichen Hörerschar, die sich als höchst kompetent erwies. KI ist dadurch gekennzeichnet, dass Maschinen nunmehr selber lernen, also wachsen und sich verbessern. Die Entwicklung der KI schreitet schnell und dynamisch voran: Inzwischen führen Computer nicht nur Steuerprüfungen durch und helfen bei der medizinischen Diagnostik, sondern verfassen auch Zeitungsartikel und schreiben sogar Gedichte, komponieren und malen. Kein Bereich der Arbeitswelt wird von den Folgen dieser Entwicklung ausgenommen sein. Oder vielleicht doch das, was mit Empathie, Emotionalität oder Intimität zu tun hat? Seelsorge?? Man kann sich nicht einmal in dieser Frage mehr sicher sein. Wie der Fortschritt zu steuern sei - wenn überhaupt -, diese Frage blieb am Ende offen. Es dürfte schon jetzt Lebensbereiche geben, in denen nicht der Mensch die Maschine steuert, sondern andersherum der Mensch von der Maschine gesteuert wird.

Dem Referenten war daran gelegen, in der THR immer wieder die Theologie in die Diskussion einzubeziehen: Wird KI das theologisch Höchste überflüssig machen oder ersetzen? Wie sind Bereiche von Zwischenmenschlichkeit, Empathie und Liebe zu bewahren? Was sind Sinn-Entwürfe für den Menschen? Hier liegt eine Fülle von Aufgaben, die die Theologie im Kern betreffen. Prof. Dr. Michael Wörz meinte: Wenn Theologie sich nicht jetzt um Antworten auf diese Fragen bemühe, werde es für sie bald zu spät sein, genau so wie für das Projekt der Moderne, die Demokratie.

Christof Voigt