18.11.2020

Schulterschluss einer neuen politischen Rechten in Zeiten von Corona

Im Rahmen der zweiten Veranstaltung des Reutlinger Studium Generale, das sich in diesem Semester mit dem Thema „Verantwortung für die Gesellschaft: Demokratie in Zeiten von Corona!“ befasst, war am letzten Mittwoch der Vortrag von Dr. Hans-Ulrich Probst zu hören.

Hans-Ulrich Probst ist seit 1. September 2020 Referent der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für die Themen Populismus und Extremismus. Er ist damit sowohl Ansprechpartner für innerkirchliche Beratungen, als auch Referent für Themen wie Antijudaismus und Antisemitismus, Rassismus und Verschwörungsmythen.

In seinem Vortrag zum Thema „Schulterschluss einer neuen politischen Rechten in Zeiten von Corona?“ arbeitete Probst heraus, wie in der Bewegung „Querdenken“ Esoteriker und die neue Rechte die gemeinsame Erzählung von Verschwörungsmythen als populistische Strategie nutzen. In vier Schritten beleuchtete Probst zunächst den Zusammenhang von Krise, sozialen Ängsten und der Sehnsucht nach Autoritäten, um dann das Agieren der extremen politischen Rechten in Zeiten von Corona zu erläutern. Von den Verbindungslinien zwischen Querdenken und der politischen Rechten ausgehenden beschrieb Probst sodann die Gefahr der Radikalisierung durch Verschwörungsmythen.

Zunächst ging Probst dabei auf das Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Anlehnung an Wilhelm Heitmeyer ein, welches durch eine „Ideologie der Ungleichheit“ die Diskriminierungen der jeweils „Anderen“ rechtfertigt. Das Gefühl der Angst, welches in Deutschland seit den 2000er Jahren kontinuierlich durch politische Krisen in der Bevölkerung gewachsen sei, habe - nach der Agenda 2010 und zunehmender Migration - nun einen weiteren Höhepunkt in der Coronakrise erfahren, so Probst. Durch Abstiegsängste und allgemeine Zukunftsängste habe in den letzten Jahrzehnten ein Klima des „nach unten Tretens“ in Deutschland zugenommen. Die so letztlich durch Verunsicherung begründete Abwertung der vermeintlich „Anderen“ verstärke zudem die Sehnsucht nach Autoritäten und sei damit zentrales Motiv der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, die sich, so analysiert Probst, seit Corona maßgeblich verschärft habe.

Wie hierbei die jeweils „Anderen“ politisch konstruiert werden, zeigte Probst eindrücklich an der Positionierung der AfD zum Thema Corona, die hier zunächst die Gefahr der Verbreitung von Corona durch Migrant*innen beschwor, um später Corona selbst als „Erfindung“ der Regierenden zu bezeichnen. Dieses bewusste und gezielte Drehen der Argumentation, die homogene Volkszeichnung und das gleichzeitige Entgegenstellen dieses „Volkes“ gegen „die da Oben“ bilde dabei zusammen mit der grundlegenden Medien- und Wissenschaftsfeindlichkeit die drei Elemente des Populismus, der politischen Strategie der Rechten, konstatierte Hans-Ulrich Probst.

Weiter arbeitete er heraus, wie die Verbindungslinien zwischen der (neuen) Rechten und der Querdenken-Bewegung zusammenlaufen. Durch die populistische Strategie der Querdenken-Bewegung, in welcher ein „geeintes Volk“ beschworen werde, welches sich dem „Establishment“ entgegenstellen müsse und alles, was nicht in die je eigenen populistischen Deutungsmuster passe, als Fake-News negiere, grenze sich die Bewegung eben nicht von rechts ab, sondern erzeuge vielmehr wechselseitige Anschlussfähigkeit. Dies zeige sich, so argumentierte Probst, insbesondere durch die Parallelsetzung der Bundesregierung mit dem Hitlerfaschismus. Durch die gemeinsame Verwendung des Narratives „Wir, das Volk, sind durch die Regierenden gefährdet“ lasse sich die Ablehnung des Grundgesetzes begründen und führe damit letztlich in ein weiteres - der Querdenken-Bewegung und der Rechten gemeinsames - Narrativ über, in welchem der Widerstand gegen die sogenannte Corona-Diktatur beschworen wird.

Neben der unsäglichen Verharmlosung der Verbrechen des Faschismus berge dies weiter die Gefahr der zunehmenden - auch gewaltsamen - Radikalisierung, so Probst. Die beiden zentralen Motive von Verschwörungsmythen, der Wunsch nach Aufwertung auf der einen Seite sowie der Wunsch danach, die Dinge zu verstehen, auf der anderen Seite, bediene so die eingangs beschriebenen Unsicherheiten und Ängste der Menschen, wodurch sie für die unterschiedlichen Verschwörungsmythen empfänglich seien.

In seinem Fazit machte Probst daher nochmals deutlich, dass die Nutzung von Verschwörungsmythen die gemeinsame populistische Strategie der neuen Rechten und der Querdenken-Bewegung ist, welcher insbesondere im öffentlichen Diskurs begegnet werden sollte. Gemeinsam mit dem Publikum wollte Probst daher auch diskutieren, in wieweit die Kirche hier Verantwortung übernehmen könne. In Kleingruppen und im Plenum wurde abschließend über die Erfahrungen und Einschätzungen der Teilnehmer*innen diskutiert.

Natalie Hartmann (Evangelische Hochschule Ludwigsburg)

Reutlingen, 14.11.2019

Junge Menschen engagieren sich – ein Podium in der THR diskutiert die Demokratie der Zukunft

Junge Menschen, die teilweise noch nicht wahlberechtigt sind, finden neue Wege, um aktiv am politischen Geschehen teilzunehmen. Aber was treibt diese jungen Menschen zu ihrem Engagement? Wie ist ihr Demokratieverständnis und welche Forderungen haben sie an die Politik? Das diskutierten Ricarda Schneider und Sophia Wüsteney von „FridaysForFuture Reutlingen“, Lukas Eitel aus dem Jugendgemeinderat Reutlingen, sowie Charlotte Porsch und Maximilian Heckeler vom Uhland-Gymnasium Tübingen und Marion Fros vom Studierendenparlament der Hochschule Reutlingen auf einem Podium im Rahmen des Studium Generales der Reutlinger Hochschulen in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen.

„Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen.“ Mit diesem Zitat von Greta Thunberg starteten Schneider und Wüsteney ihren Kurzvortrag über die FridaysForFuture (kurz: FFF) Bewegung in Reutlingen. Ein halbes Jahr nach Greta Thunbergs Streik vor dem schwedischen Parlament und zwei Monate nach den ersten FFF-Demonstrationen in Deutschland gingen Schülerinnen und Schüler in Reutlingen für eine bessere Klimapolitik auf die Straße. Ihre Forderungen seien der Kohleausstieg bis 2030, 100 Prozent Versorgung mit erneuerbarer Energie und die „Nettonull“ bis 2035. Letzteres meint eine Reduzierung der CO2-Produktion auf ein Niveau, das von der Natur oder von Speichersystemen kompensiert werden kann. In Zusammenarbeit mit dem Jugendgemeinderat Reutlingen hätten sie einen Antrag beim Reutlinger Gemeinderat gestellt. Darin fordern sie, dass alle Entscheidungen im Gemeinderat auf die Folgen für das Klima geprüft werden und die Stadt Reutlingen bis 2030 klimaneutral sein soll.

Über einen Zeitraum von zehn Monaten haben Schülerinnen und Schüler des Uhland-Gymnasiums Tübingen in Kooperation mit ihren Lehrkräften das Projekt „Schule-als-Staat“ umgesetzt. Die gewählte Repräsentantin Charlotte Porsch, in ihrer Funktion als „Staatspräsidentin“, und der „Kanzler“ Maximilian Heckeler stellten das Projekt vor. Das Gymnasium verwandelte sich in einen eigenständigen Staat ohne Verfassung. Diese musste erst noch erarbeitet und von den beteiligten Schülerinnen und Schülern verabschiedet werden. Im Wahlkampf für die „Parlamentswahlen“ im Februar 2019 entstanden hitzige Diskussionen beispielswiese zum Thema Umwelt, berichtete Heckeler. Insgesamt hätten sich sieben Parteien gegründet, von denen sechs ins Parlament eingezogen seien, erläuterte Porsch. Von der Verabschiedung von Gesetzen, über eine eigene Währung bis hin zu eigenen wirtschaftlichen Betrieben, habe dieses Projekt alle nötigen Prozesse zur Staatsbildung vereint. 

Das Studierendenparlament (kurz: StuPa) der Hochschule Reutlingen ist das höchste beschlussfassende Organ aller Studierenden. Marion Fros ist Teil des StuPas und stellte die Tätigkeiten und Aufgabenfelder vor. Die gewählten Mitglieder vertreten die Studierenden und kümmern sich um das Leben auf dem Campus. In Referaten, wie beispielsweise „Kultur & Events“, „Diversity“ oder „Hochschulsport“ können sich alle Studierenden beteiligen. Den Vorsitz des StuPas hat der Allgemeine Studierendenausschuss der Hochschule (kurz: ASTA) inne. Dieser bestehe aus dem Vorsitz, dem Finanzreferat, der Schriftführung sowie zwei Beisitzenden. Er entscheide über die Gestattung von Projektanträgen und habe unter anderem das Ziel die Kooperation zwischen Studierenden und Präsidium zu fördern.

Der Jugendgemeinderat der Stadt Reutlingen besteht aus 24 Mitgliedern von unterschiedlichen Schulen im Stadtgebiet. Lukas Eitel hat sich zur Wahl aufstellen lassen und ein Mandat erhalten. Alle gewählten Vertreterinnen und Vertreter seien partei- und fraktionslos. Jede Schülerin und jeder Schüler habe die Möglichkeit, sich für die Wahlen aufstellen zu lassen, erklärte Eitel. Einen wichtigen Beitrag zur Arbeit des Jugendgemeinderats würden die verschiedenen Arbeitskreise leisten (kurz: AK): AK Nachtleben, AK ÖPNV, AK Umwelt und andere. Dort entstehen Ideen wie der Einbau von WLAN in die Reutlinger Busse und ähnliches. Diese Vorschläge reichten sie per Antrag in den Gemeinderat ein, der sie daraufhin bearbeitet. Zum Schluss seines Vortrags äußerte Eitel den Wunsch, dass er für den Jugendgemeinderat gerne ein Wahlrecht im Gemeinderat hätte.

In der abschließenden Diskussion wurden die Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Initiativen und Organisationen gefragt, was sie als Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin ändern würden. In einem Punkt waren sich alle einig: Sie würden die Klimapolitik vorantreiben. Daran anschließend solle die weltweite Kooperation der Länder verstärkt und die Souveränität der Staaten geschwächt werden, forderte Eitel. Denn nur dann könnten gemeinsame Ziele erreicht werden.

Der nächste Vortrag des Studium Generale findet am 20. November 2019 um 18.15 Uhr zum Thema „Digital und global, aber auch gerecht?“ auf dem Campus der Hochschule Reutlingen statt (Gebäude 9, Raum 040).

Christoph Grohsmann, Presseabteilung der Hochschule Reutlingen & Christof Voigt, Theologische Hochschule Reutlingen

Bericht vom 8. Mai 2019

Übernehmen Alexa, Siri und Google Home das Ruder?

Studium Generale thematisiert Technikglaube, neue Gottesbilder und technologischen Fortschritt

Welche Veränderungen entstehen für den Menschen durch die fortschreitende Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI)? Werden beispielsweise Intelligente Assistenten (wie Alexa, Siri und Google Home) immer mehr die Steuerung unseres Alltags übernehmen? Diese und weitere Fragen diskutierte Prof. Stephan von Twardowski von der Theologischen Hochschule Reutlingen in seinem Vortrag zum Thema „Und was wird aus uns? – Künstliche Intelligenz und das Selbstverständnis des Menschen“.

Die Künstliche Intelligenz ist bereits in vielen Lebensbereichen des Menschen integriert. Dabei soll sie nicht nur in Unternehmen Arbeits- und Produktionsprozesse optimieren, sondern auch das Leben von Menschen vereinfachen. Durch die Nutzung von sogenannten schwachen KI’s wie Smartphones, intelligenten Assistenzsystemen und Uhren wirken die Optimierungsprozesse direkt auf den Menschen. Darüber hinaus schreitet die technologische Entwicklung so rasant und in teilweise unabsehbarem Ausmaß voran, dass die Erwartung zunehme, die KI könne in Zukunft auch existenzielle und soziale Probleme lösen.

Stephan von Twardowski plädierte dafür, die Entwicklung der KI und die damit einhergehenden Veränderungen für den Menschen nüchtern zu betrachten. Aktuelle Diskussionen bewegten sich derzeit zwischen Euphorie und Apokalyptik. Dabei könnten durch eine sachliche und intensive Auseinandersetzung eher sinnvolle Grenzen und Kontrollen gesetzt werden.

Aber was genau ist Künstliche Intelligenz und wie wird sie definiert? Im Vergleich zu Geräten ohne KI, etwa einem Taschenrechner, gleichen KI’s aktuelle Daten mit alten ab: „Die Maschine trainiert sich selbst und verknüpft anschließend diese Daten miteinander.“ Dadurch entstehe ein neuronales System, welches die Grundlage für das so genannte „deep learning“ bilde - „deep“, weil dies unterhalb der Wahrnehmung des Menschen stattfinde. Prof. von Twardowski warnte vor einem blinden Vertrauen in Algorithmen, denn die neuralen Netze seien so komplex, dass sie kaum vom Menschen zu erfassen seien.

Die technische Entwicklung verändere die unterschiedlichsten Lebensbereiche des Menschen. Auch zwischenmenschliche Beziehungen und die Beziehung zu Gott seien da nicht ausgeschlossen. Viele Menschen hätten blindes Vertrauen in neue Technologien und gäben der KI eine nahezu gottähnliche, mächtige Funktion. Über diese veränderten Ideologien, blinden Technikglauben, aber auch überzogene Ängste vor der KI sollte nüchtern diskutiert werden. Nur dann könne der Einfluss der Künstlichen Intelligenz auf unseren Alltag realistisch eingeschätzt werden.

Christoph Grohsmann, Presseabteilung der Hochschule Reutlingen

Bericht vom 7. November 2018

Das Internet der Dinge

Wenn der Kühlschrank meldet, welches Ei ins Omelette soll

Per Tastendruck am Smartphone den Toaster so in Gang setzen, dass das Röstbrot exakt zum geplanten Zeitpunkt und mit der gewünschten Knusprigkeit auf den Frühstücksteller kommt, und dazu den Kaffeeautomaten anweisen, zum Toast eine Tasse schmackhaften Kaffees bereitzustellen - alles kein Problem für das Internet der Dinge. Dieses macht herkömmliche Produkte wie den Toaster oder die Kaffeemaschine smart, indem es sie mit Konnektivität - vor allem zum Smartphone - ausstattet.

In einem munteren und kurzweiligen Vortrag in der THR am 7. November 2018 im Rahmen des Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen stellte die Referentin Ainara Novales solche und weitere Produkte vor. Sie forscht als Doktorandin an der Hochschule Reutlingen und der Rotterdam School of Management. Ihr Ausgangspunkt war die ökonomische Seite des Fortschritts, nicht die technische. Und als Ökonomin interessierte sie sich in ihrem Vortrag mehr für die Produzenten als für die Verbraucher.

Wo habe ich mein Auto abgestellt? Mein Smartphone kennt den aktuellen Standort. Es weiß auch, wie sparsam ich derzeit im Schnitt unterwegs bin. Wie steht es um mein Körpergewicht, meinen Puls, meine Atmung? Das Smartphone gibt Antwort. Und sogar die Eierschachtel im Kühlschrank meldet dem Smartphone, welches Ei als erstes (Verfallsdatum!) ins Omelette gehört - das wurde den Anwesenden per Liveübertragung eindrucksvoll vorgeführt (leider ohne Omelette).

Nicht überraschend, aber eben doch sehr interessant ist, dass die Hersteller eine Hauptaufgabe darin sehen, für ihre smarten Produkte überhaupt erst bedeutsame Nutzanwendungen für den Verbraucher zu suchen. - Mal sehen, ob eher die Nachfrage- oder die Angebotsseite den Markt bestimmen wird!

Die anschließende ebenso lebendige Diskussion brachte Fragen nach den ökonomischen Chancen und Risiken für die beherrschenden Weltmarktführer und die kleinen Nischenunternehmungen auf. Sehr konkret waren dann die Fragen nach dem erhöhten Energiebedarf, nach gesundheitlichen Risiken durch vermehrte Strahlung und nach der Datensicherheit. - Die Referentin antwortete im Großen und Ganzen mit einem fröhlichen Zukunftsoptimismus: Wir sind die Generation, die das jetzt 'mal probiert.

Christof Voigt, Theologische Hochschule Reutlingen

Bericht vom 24. Oktober 2018

Übernehmen Roboter die Seelsorge?

Die Frage blieb offen. Aber die gefühlte Antwort war: Auf gar keinen Fall - und dennoch wird es bald so kommen! Prof. Dr. Michael Wörz hielt im Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen den Eröffnungsvortrag in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen mit dem Titel „Künstliche Intelligenz und Ethik – Zur digitalen Transformation der Gesellschaft".

Michael Wörz ist Diplom-Ingenieur und Philosoph und Referent für Wissenschaftsethik an den Hochschulen Baden-Württembergs, also der Ideengeber und Ansprechpartner für zahllose Ethikbeauftragte an den Hochschulen. In seinem einleitenden Vortrag hob er darauf ab, dass mit den Kategorien von Aufklärung und Moderne die ungeheuer schnelle Entwicklung der KI (der Künstlichen Intelligenz) und die Folgen nicht mehr zu fassen seien. Das Denken müsse sich also bis in seine ersten Voraussetzungen hinein auf neue Gegebenheiten einstellen. Dann eröffnete Wörz einen sokratischen Dialog (wie er es nannte) und gewann wertvolle Beiträge im Zwiegespräch mit der sehr zahlreichen Hörerschar, die sich als höchst kompetent erwies. KI ist dadurch gekennzeichnet, dass Maschinen nunmehr selber lernen, also wachsen und sich verbessern. Die Entwicklung der KI schreitet schnell und dynamisch voran: Inzwischen führen Computer nicht nur Steuerprüfungen durch und helfen bei der medizinischen Diagnostik, sondern verfassen auch Zeitungsartikel und schreiben sogar Gedichte, komponieren und malen. Kein Bereich der Arbeitswelt wird von den Folgen dieser Entwicklung ausgenommen sein. Oder vielleicht doch das, was mit Empathie, Emotionalität oder Intimität zu tun hat? Seelsorge?? Man kann sich nicht einmal in dieser Frage mehr sicher sein. Wie der Fortschritt zu steuern sei - wenn überhaupt -, diese Frage blieb am Ende offen. Es dürfte schon jetzt Lebensbereiche geben, in denen nicht der Mensch die Maschine steuert, sondern andersherum der Mensch von der Maschine gesteuert wird.

Dem Referenten war daran gelegen, in der THR immer wieder die Theologie in die Diskussion einzubeziehen: Wird KI das theologisch Höchste überflüssig machen oder ersetzen? Wie sind Bereiche von Zwischenmenschlichkeit, Empathie und Liebe zu bewahren? Was sind Sinn-Entwürfe für den Menschen? Hier liegt eine Fülle von Aufgaben, die die Theologie im Kern betreffen. Prof. Dr. Michael Wörz meinte: Wenn Theologie sich nicht jetzt um Antworten auf diese Fragen bemühe, werde es für sie bald zu spät sein, genau so wie für das Projekt der Moderne, die Demokratie.

Christof Voigt, Theologische Hochschule Reutlingen