Was machen eigentlich unsere Master-Absolvent*innen?

Ende des Sommersemesters 2017 haben sechs Master-Absolvent*innen die Hochschule verlassen.

Die meisten von ihnen haben als Pastorin/Pastor auf Probe in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) angefangen im Gemeindedienst zu arbeiten. Nach über einem viertel Jahr haben wir sie gefragt, wie es ihnen ergangen ist. Vier von ihnen geben uns Einblicke.

Damaris Raymann

Pastorin Damaris Raymann - EmK Basel-Allschwilerplatz/St. Johann

Seit wann bist Du im Dienst?

Seit dem 17.09.2017. Es waren ziemlich genau 5 Wochen nach dem Abschlussgottesdienst und ich hätte noch ein paar Wochen arbeitsfreie Zeit vertragen. Aber der Anfang gestaltete sich bei mir nicht so heftig, da ich ein paar Wochen „nur“ Gottesdienste halten musste. Abgesehen natürlich von allen anderen Einarbeitungs- und Planungssachen, die anfallen und dem ganzen Administrativ-Kram, der anfällt, wenn man von Deutschland zurück in die Schweiz zieht. (Anm.: Damaris ist aif dem Basel-Allschwilerplatz/St. Johann tätig.)

Was war das Thema Deiner ersten Predigt?

Galater 6,2: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Dieser Vers bewegt mich schon seit meiner Praktikumszeit, wenn ich über Gemeinde und Gemeindeleben nachdenke.

Was war das schönste Kompliment, das Du bisher bekommen hast?

Als nach dem Bundeserneuerungsgottesdienst eine Frau zu mir sagte, dass sie ihn und besonders die Predigt befreiend empfunden hatte.

Was möchtest Du den Studierenden rückblickend weitergeben?

Ich habe mich nach dem Master um einiges bereiter gefühlt als Pastorin zu arbeiten, als nach meinem Bachelorabschluss. Es war zwar eine anstrengende Zeit und der Sprung in die Praxis war noch genügend schwer, aber trotzdem gibt mir Vieles, was ich im Master gelernt habe, Rückhalt. Und schaut unbedingt, dass ihr nach dem Studium genügend Zeit zum Erholen einplant, das werdet ihr brauchen 

Flemming Nowak

Pastor Flemming Nowak - EmK Reutlingen-Betzingen

Seit wann bist Du im Dienst?

Seit dem 01.10.17.

Was hat Dich am meisten an der neuen Stelle überrascht?

Die Offenheit, mit der man mir überall begegnet. Menschen, die ich nie vorher gesehen habe, erzählen mir sehr persönliche Sachen, die sie oft schon ein Leben lang mit sich herumtragen – das finde ich sehr beeindruckend und zeigt mir, was für ein verantwortungsvoller Dienst das Pastorenleben ist.
Mehr Infos zur EmK Reutlingen-Betzingen.

Was war das schönste Kompliment, das Du bisher bekommen hast?

Nach der Sonntagschulweihnachtsfeier kam ein Gemeindeglied auf mich zu und meinte: „Flemming, es ist einfach ein Segen für uns, dass du hier bist.“ Und dann wurde ich umarmt – was eigentlich gar nicht meins ist – in den Moment konnte ich es aber gut annehmen.

Was war das Thema Deiner ersten Predigt?

Ich habe über 2. Kor 9,6 gepredigt: „Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der auch ernten im Segen.“ Mir ging es darum aufzuzeigen, dass ein gesegnetes Leben nicht von Wohlstand, Gesundheit etc. abhängt sondern von der Gewissheit, dass Gottes Liebe jedem persönlich gilt und man in dieser Liebe ein gesegnetes Leben führen und diese Liebe weitergeben kann, auch wenn die äußeren Umstände nicht sehr „gesegnet“ erscheinen.

Was möchtest Du den Studierenden rückblickend weitergeben?

Man muss schon extrem viel „liefern“ – manchmal fühle ich mich wie ein Journalist. Andachten für alle möglichen Veranstaltungen von der Jungschar über den Gemeindebrief bis zum Seniorenkreis, Predigten, Inputs etc. Und da ja nicht immer unterschiedliche Leute drin sitzen, sollte es nicht immer das gleiche sein. Da merke ich, dass es unglaublich wichtig ist, intensiv mit Gott unterwegs zu sein und mir Zeit für ihn zu nehmen, damit auch etwas da ist, dass ich weitergeben kann. (Gute Kommentare und Andachtsbücher – von Spurgeon bis zur Bibelapp - helfen mir auch ganz unterschiedliche Anregungen zu finden.)

Rebekka Held

Pastorin Rebekka Held - EmK Heilbronn

Seit wann bist Du im Dienst?

Seit dem 01. Oktober 2017.

Was hat Dich am meisten an der neuen Stelle überrascht?

... dass ich mit gleich zwei lieben KollegInnen (Anm.: Pastorin Kerstin Schmidt-Peterseim und Pastor Tilman Sticher) zusammenarbeiten darf und dabei ganz viel Freiheit zum Ausprobieren und Selbstgestalten habe!
Mehr Infos zur EmK Heilbronn.

Was war das schönste Kompliment, das Du bisher bekommen hast?

Ich kann mich nicht entscheiden zwischen "Du tust unserer Gemeinde unglaublich gut!" und "Ich liebe die Art, wie Du das Evangelium verkündigst!" :)

Was war das Thema Deiner ersten Predigt?

Hiob 12: "Befrage das Vieh, dass es dich lehre, und die Vögel des Himmels, dass sie es dir kundtun. [...] Wer von ihnen allen wüsste nicht, dass die Hand GOTTES es so gemacht hat?"

Die Welt spielt verrückt, aber ach, was hält der Mensch sich für weise!

Wir sehen uns gerne als Zentrum des Universums, als Krone der Schöpfung und möchtegern Allwissende und verhalten uns so, als wäre alles um uns herum nur da, um uns zufrieden zu stellen - ja selbst Gott!

Was sind wir oft so geblendet von unseren Errungenschaften und Leistungen, unseren philosophischen und theologischen Erkenntnissen, sodass wir uns aufblasen und uns über andere zu erheben versuchen. Und wie eine Dampfwalze fegen wir über diejenigen hinweg, deren Stimmen zu leise sind, als dass man sie im Wirrwarr der zahllosen Schreihälse heraushören könnte.

Den Hinweis auf diese leisen Stimmen gibt Hiob. Er wurde soeben selbst von den dröhnenden Ratschlägen seiner Freunde geradezu überwalzt und rückt deren Weisheiten erst einmal ins rechte Licht. Meine Frage an den Bibeltext lautete: Was lehrt uns die Schöpfung/lehren uns die Geschöpfe über Gott?

Was möchtest Du den Studierenden rückblickend weitergeben?

Passend zu meinen Predigtgedanken fällt mir dazu ein: Es ist unglaublich hilfreich, wenn ich mich selbst nicht immer allzu ernst und wichtig zu nehme - für mich selbst und für mein Umfeld, ob im Dienst als Pastorin oder beim Studium an der THR. Über mich selbst zu lachen oder auch mal den Kopf schütteln zu können bewahrt mich ein bisschen vor Perfektionismus und viel zu hohen Ansprüchen - an mich selbst und andere. Für die etwas härteren Diskussionen in den Seminaren oder im Pub gilt demnach: Letztlich ist alle Weisheit bei Gott ;)

Manuel Stemmler

Pastor Manuel Stemmler - EmK Weißenburg

Seit wann bist Du im Dienst?

Begonnen habe ich am 1. Oktober, mein Einführungsgottesdienst war schon am 17. September, weil ja unser Nachwuchs unterwegs war. Bericht vom Einführungsgottesdienst in der Lokalpresse.

Was hat Dich am meisten an der neuen Stelle überrascht?

Vieles hat mich hier sehr positiv überrascht: Erstens sicherlich die Gastfreundschaft der Gemeinde (Anm.: EmK Weißenburg), die uns häufig einlädt und in die wir bereits jetzt gut integriert sind. Auch das Engagement der Gemeindeglieder ist hoch und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, ebenso. Die Gemeinde hatte in den Vorgesprächen betont, dass sie sich Gemeindeentwicklung wünschen. Jetzt freuen sie sich, dass wir es tatsächlich angehen. Mal sehen, wohin uns das trägt, aber es ist positiv, dass sie hier nicht nur ein Lippenbekenntnis gegeben haben.

Gemischte Überraschungen gab es allerdings auch: Wie oft ich mit "Herr Pastor" angesprochen werde, ist auffällig. Da mein Verständnis hier so anders ist und ich keinen Ehrentitel für mein Ego benötige, ist das unangenehm. Ein Gespräch mit einer älteren Frau in der Gemeinde war da sehr bezeichnend: Einige Herren hatten mir das Du angeboten, da sie als engagierte Männer immer schon mit den Pastoren per Du waren. Sie meinte dann, dass sie das nicht könne, weil man das ja nicht mache. Ich meinte dann nur: Meine pastorale Autorität beruht nicht auf der Anrede. Seitdem sind wir per Du und es ist ein sehr herzlicher Umgang ...

Auch wie viel öffentliche Repräsentation an scheinbar sinnlosen Terminen dazu gehört, ist erschreckend. Hier merke ich immer wieder, dass wir als Freikirche vieles davon nicht benötigen, da wir uns nicht in irgendwelchen Foren unseren "Eh-schon-Mitgliedern" ins Gedächtnis bringen müssen, sondern auf ganz anderen Ebenen Menschen erreichen wollen. Aber wir sind halt ebenso dabei ...

Was war das Thema Deiner ersten Predigt?

Das Thema meiner ersten Predigt war Mt 6, 33. In eigener Übersetzung: "Strebt ihr aber zuerst nach der Herrschaft Gottes und seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazu gegeben werden." Wichtig war mir die Fokussierung auf das Wesentliche: Christus, die Verbreitung seiner Liebe. Herrschaft Gottes und Gerechtigkeit Gottes verstehe ich als Beziehungsbegriffe: Sich Gottes Führung zu unterstellen, das eigene Leben auf ihn auszurichten. Und die intakte Beziehung zu ihm. Alles andere ist dagegen nebensächlich, alle Sorgen um die persönliche und gemeindliche Zukunft werden dagegen klein. Gleich im ersten Gottesdienst ging es also um einen Auftakt zur Gemeindeentwicklung.

Was war das schönste Kompliment, das Du bisher bekommen hast?

Komplimente gibt es viele. Bei den Franken allerdings häufig versteckt als generelle positive Aussage. Hier kommen neue Gottesdienstelemente gut an oder auch unbekannte Formen (Bundeserneuerungsgottesdienst). Deutlich sagen sie, dass sie meine Predigten und strukturierte Arbeitsweise schätzen.

Was möchtest Du den Studierenden rückblickend weitergeben?

Für das Studium gibt es wohl zwei ganz wichtige Dinge, die ich in die gerade eben selbst erdachten Begriffe implizite und intuite Theologie legen möchte:

  1. Implizite Theologie: Leider endet die intensive theologische Arbeit mit dem Ende des Studiums zunächst. In der Gemeinde überwiegt zeitlich und gefühlt oft die Verwaltung, die vielen Termine. Selbst viele Gespräche haben scheinbar nichts mit Theologie zu tun. Aber in vielen Aussagen verstecken sich theologische Fragen und auch einiges an verqueren theologischen Ideen. Das herauszuhören, ist sehr wichtig. Die Fragen und Ideen, die sich hier zeigen, sind meist die uralten. Es lohnt sich also, die theologischen Frontlinien der Theologiegeschichte, der Kirchengeschichte und aus AT-Theologie und NT-Theologie zu kennen.
  2. Intuitive Theologie: Wer eine Hausarbeit braucht, um eine Frage zu beantworten, hat verloren. Ziel muss es leider meist sein, Fragen intuitiv zu beantworten; möglichst in unter 30 Sekunden. Das scheint im Studium einfach nur unlauter zu sein, kommt aber der Aufmerksamkeit in Gesprächen nahe. Wichtig sind nicht Detailkenntnisse in Spezialfragen. Wichtig ist nur: Woran glaubt du? Was macht dich aus? Was unterscheidet dich von anderen? Wenn 30 Sekunden ca. 50 Wörter sind (und damit weniger, als ich zu dieser Frage schreibe), dann wäre es wichtig, intuitiv in 50 Wörter sagen zu können: Wer ist Jesus? Warum ist Jesus Gott? Warum ist Jesus gestorben? Was hat das mit meinem Leben zu tun? Wie unterscheidet sich das Leben als Christ von einem anderen Leben? Was macht einen Christen aus? Was macht einen Methodisten aus? Wie unterscheidet sich ein Methodist von anderen Christen? Nicht die falsche Antwort verliert, sondern die lange. Darauf sollte man als Student auch seine Profs festnageln: Jesu Tod in 30 Sek ...

Zusatztipp:

Man sollte sehr schnell Autoren und Bücher beurteilen können; am besten schon nach einem kurzen Blick ins Inhaltsverzeichnis. Viel Zeit, Bücher zu wälzen, hat man nicht und meist ja auch keine Bibliothek vor Ort ...

Bachelor- und Master-Absolvent*innen 2017

Am Ende des Sommersemesters 2017 haben 16 Studierende den Bachelor of Arts (B. A.) in Theologie und 6 Studierende ihren Master of Arts (M.A.) in Theologie verliehen bekommen.

Bachelor in Theologie

 

Master in Theologie