Podiumsdiskussion

Geld und Gott – was unser Leben antreibt

Was treibt unser Leben und unsere Gesellschaft an - stetiges Wachstum und die Steigerung des Kapitals? Was gibt unserem Leben einen Sinn? Lässt sich das eine mit dem anderen vereinbaren? Wie gerecht ist unser Geldsystem?

Das diskutierten:

Prof. Dr. Bodo Herzog - Makroökonom (Hochschule Reutlingen)
Dr. Daniela Eberspächer-Roth - Unternehmerin, IHK Vizepräsidentin
Prof. Dr. Ulrich Duchrow - Theologe, Sozialethiker (Uni Heidelberg)

Erfahren Sie hier mehr über die Standpunkte der Diskussionspartner.

Moderation:
Prof. Christof Voigt - Theologische Hochschule Reutlingen

Video vom 22.10.2019 (1:37:38)

Zum Video der Veranstaltung (1:37:38) vom 22.10.2019 auf dem THR-YouTube-Kanal.

Bericht

Ist Geld allmächtig?

Unter dem herausfordernden Thema „Geld und Gott – was unser Leben antreibt“ fand an der Theologischen Hochschule Reutlingen eine spannende Podiumsdiskussion statt (hier als Video). Wird die moderne Gesellschaft durch stetiges wirtschaftliches Wachstum und eine unvermeidliche Anhäufung von Kapital angetrieben? Was bedeutet dies im Blick auf Armut und den Verbrauch von Ressourcen? Ist Geld allmächtig und heute sogar zum Gott des Menschen geworden? Schon Martin Luther wusste: „Woran du dein Herz hängst, da ist Gott.“ Wie muss ein Wirtschaftssystem aussehen, das Ressourcen schont und nachhaltig ist, so dass auch in Zukunft Leben auf dieser Welt möglich ist?

Engagiert und kontrovers diskutierten die Unternehmerin und Vizepräsidentin der IHK Reutlingen, Dr. Daniela Eberspächer-Roth, der Professor für Volkswirtschaft an der Hochschule Reutlingen, Dr. Bodo Herzog, und der Theologe und Sozialethiker Prof. Dr. Ulrich Duchrow (Universität Heidelberg) über diese grundlegenden Fragen. Kurzfristig verhindert war der Vorstandsvorsitzende der Reutlinger Kreissparkasse, Michael Bläsius. Daniela Eberspächer-Roth, die im vergangenen Jahr die Auszeichnung „Gipfelstürmerin für Ressourceneffizienz“ des Umweltministeriums Baden-Württemberg einheimsen konnte, trat für einen verantwortlichen Umgang mit Geld auf allen gesellschaftlichen Ebenen ein. Demgegenüber unterstrich Ulrich Duchrow die systemische Macht kapitalistischen Wirtschaftens, dessen Zwang zum unbegrenzten Wachstum das Leben von Mensch und Umwelt in Todesgefahr bringe. Es gelte daher, grundsätzliche Alternativen zum gegenwärtigen Weltwirtschaftssystem zu entdecken. Eine Fokussierung auf die Systemkritik hielt Bodo Herzog dagegen für einseitig. Er forderte eine differenzierte Analyse ökonomischer und geldwirtschaftlicher Realitäten und eine grundlegende Unterscheidung von Finanz- und Wirtschaftskapitalismus. Geld sei gerade nicht allmächtig.

Gespannt verfolgten etwa 90 Gäste die Diskussion und brachten ihre Fragen ein. Moderator Prof. Christof Voigt verdeutlichte zum Schluss der Debatte die bleibende Differenz der Perspektiven und die notwendige Fortführung gesellschaftlicher Diskurse zur Gestaltung nachhaltiger und gerechter Ökonomie. Dabei hob er die verantwortliche Rolle von Theologie und Religionen hervor. Die intensiven und lebendigen Gespräche setzten sich nach der Veranstaltung in kleinen Runden bei einem Imbiss fort.

Von Stephan von Twardowski und Christof Voigt