Professor für Kirchengeschichte und Ökumenik
Prof. Dr. Jonathan Reinert
Lebenslauf
| 1989 | geboren in Jena |
| 2008-2015 | Studium der Evangelischen Theologie an den Universitäten Jena, Göttingen und Tübingen |
| 2015-2018 | Promotionsstipendiat am Graduiertenkolleg „Kulturelle Wirkungen der Reformation: Medialität“ der Universität Jena (Prof. Dr. Christopher Spehr) |
| 2015-2022 | Geschäftsführer des Evangelischen Bundes Württemberg (nebenamtlich) |
| 2018-2022 | Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Spätmittelalter und Reformation der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen (Prof. Dr. Volker Leppin) |
| April/Mai 2019 | Lehrauftrag an der Theologischen Hochschule Reutlingen in Vertretung von Prof. Dr. Ulrike Schuler |
| Juni 2019 | Promotion zum Dr. theol. an der Universität Jena |
| 2022-2023 | Referent für Weltökumene am Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim (Projektstelle mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg) |
| seit WiSe 2022/23 | Professor für Kirchengeschichte und Ökumenik an der Theologischen Hochschule Reutlingen |
Lehrveranstaltungen
- Überblick Kirchen- und Theologiegeschichte (Alte Kirche bis Neuzeit)
- Seminare zu Themen der Kirchengeschichte, Konfessionskunde und Ökumenik
- Geschichte des Methodismus
- Geschichte der Spiritualität
- Soziales und diakonisches Handeln in der Geschichte des Christentums
Arbeitsschwerpunkte
- Epochen: Mittelalter, Reformation, Frühe Neuzeit
- Themen: Passion Jesu Christi, Gebet, Frömmigkeitstheologie
- Personen: Franz von Assisi, Bonaventura, Johannes von Staupitz, Martin Luther, Täufer der Reformationszeit
- Historische Konfessionskunde, Globalgeschichte des Christentums, Ökumenische Theologie
- Methodik und Didaktik der Kirchengeschichte
Ämter, Funktionen, Engagement
- Mediävistikverband: Fachvertreter Theologie im Wissenschaftlichen Beirat
- EmK Studiengemeinschaft: Mitglied des Beirats
- The Oxford Institute of Methodist Theological Studies: Mitglied des Planungskomitees bis 2030
- Konfessionskundliches Institut Bensheim: Beratender Mitarbeiter im Referat Freikirchen
- Evangelischer Bund Württemberg: Mitglied des Vorstandes
- Regelmäßige Gottesdienstgestaltung und Predigttätigkeit in verschiedenen Kirchen und Gemeinden
Forschungsprojekte
Das Netzwerk von Forschenden aus ganz Europa hat sich als EU-geförderte COST Action CA23143 institutionalisiert (www.cost.eu/actions/CA23143/). Unter der Leitung von Youri Desplenter (Gent) und einer international besetzten Core Group, der auch Jonathan Reinert angehört, arbeiten über 200 Personen in drei Arbeitsgruppen zu Gebetskulturen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Die Theologische Hochschule Reutlingen ist als Grant Holder der COST Action für die Finanzverwaltung des Netzwerks verantwortlich.
For centuries, prayer has been central to people’s worldview, to their education and formation, their experience of religion and the Divine, to the creation of societal communities, and to structuring everyday life throughout Europe. Despite the ‘religious turn’ in the humanities, prayer is still often seen as ordinary or even self-evident. This has hitherto prevented a thorough understanding of the history of this powerful and complex phenomenon in the late medieval and early modern world. From a European perspective, this period was formative for the role of prayer in public settings and in people’s personal lives. The phenomenon is marked by plurality and diversity and the disparate nature of research on prayer calls for a strong collaborative international research network that will move toward creating a shared framework for the study of prayer in the Latin Christianity during the late medieval and early modern period. Studying prayer as a participatory practice on several levels (as a communal or social practice, using a variety of material devices (media, objects) that can evoke a spiralling, amplifying effect in the mind of the devotee) will lead to better understanding of prayer (and with it, the history of imagination, hope, and meditation) in its plurality.
Förderzeitraum: 2024-2028
Homepage: prayticipate.wordpress.com (im Aufbau)
Die sechsköpfige Forschungsgruppe aus Historiker:innen (Johanna Jebe, Bastiaan Waagmeester), Germanist:innen (Michael Lebzelter, Isabell Väth) und Theologen (Sven Gröger, Jonathan Reinert), die sich während ihrer gemeinsamen Zeit an der Uni Tübingen gefunden hat, befasst sich interdisziplinär mit Quellen zu Verständnis und Verwendung des Vaterunsers im Mittelalter. Exemplarisch arbeitet die Gruppe am Bestand der St. Galler Stiftsbibliothek.
Als Idealgebet (Lk 11,1-4) weist das Herrengebet eine große historische Kontinuität auf, aber um angesichts wandelnder kultureller Kontexte und Anforderungen in den mittelalterlichen Jahrhunderten handlungsleitend bleiben zu können, muss es immer wieder Interpretation und Aktualisierung erfahren. Daher ermöglicht es Einblicke in theologischen Wandel sowie in zeitspezifische religiöse Erfahrungen, Praktiken und Anfragen im diachronen Vergleich. Zugleich ist das Vaterunser von Anfang an als Norm des Betens verstanden worden (Mt 6,9: „So sollt ihr beten …“) und auch die kirchlichen Autoritäten des Mittelalters nehmen es mit großer Kontinuität als normativen Maßstab für christliches Wissen, Unterweisung und Qualitätskontrolle auf. Damit führt dieses Gebet immer auch an interessante Schnittstellen zwischen theologischer Reflexion, katechetischer Unterweisung und gelebter Praxis. So vermag es Einblicke in Erwartungshaltungen unterschiedlicher sozialer Gruppen an diesen Text zu vermitteln und Impulse und Gruppierungen innerhalb des Oberbegriffs ecclesia/Christentum zu profilieren, die dazu anregen, Grenzen zwischen Laien und Klerus zu hinterfragen und die Vielfalt theologie- und frömmigkeitsgeschichtlicher Impulse zwischen gelebter Praxis und theologischer Disputation ernst zu nehmen.
Homepage: thiger.libripendis.eu
Interdisziplinärer Workshop: Verständnis und Verwendung des Vaterunsers im Mittelalter, gefördert von der Forschungsstelle Spätantike/Frühmittelalter, dem Zentrum Vormodernes Europa, dem Center for Religion, Culture, and Society und dem Universitätsbund der Uni Tübingen sowie der Theologischen Hochschule Reutlingen, Tübingen 25.-26.09.2025
Vor 500 Jahren, im Januar 1525, fand die erste ‚Glaubenstaufe‘ statt – das symbolische Gründungsdatum der sogenannten Täuferbewegung. Sie bildete neben der lutherischen und der reformierten einen dritten Strang der Reformation des 16. Jahrhundert. Aus dieser in sich äußerst vielstimmigen Bewegung entstand neben der römisch-katholischen Kirche und den evangelischen Landeskirchen ein dritter Typus: die Mennoniten als erster kongregationalistisch verfasster Kirche.
In Deutschland wird das Gedenken „gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung“ von Mennoniten und Baptisten mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) ökumenisch begangen (www.taeuferbewegung2025.de). Dabei verbinden sich reformationsgeschichtliche, historisch-konfessionskundliche und ökumenisch-theologische Perspektiven und Zugänge, und damit exemplarisch die Fächer Kirchengeschichte und Ökumenik, wie sie von Jonathan Reinert in Lehre und Forschung vertreten werden.
Tagung: Die Täufer – Fremdwahrnehmung und Selbstbilder im 16.-17. Jahrhundert, gemeinsam mit Astrid von Schlachta und Andrea Strübind, gefördert von der Fritz-Thyssen-Stiftung, Tübingen 01.-03.10.2021 (Tagungsprogramm).
Tagung: 500 Jahre Täuferbewegung in der Schweiz. Herausforderungen an Theologie, Kirche und Gesellschaft in den Umbrüchen der Frühen Neuzeit, gemeinsam mit Tobias Jammerthal und Urs Leu, gefördert vom Schweizerischen Nationalfond, der Zentralbibliothek Zürich, dem Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte und der Theologischen Hochschule Reutlingen, Zürich 02.-04.06.2025 (Tagungsprogramm)
Bonaventura ist eine Gestalt des 13. Jahrhunderts, die in unterschiedlichen historischen Zusammenhängen erscheint, welche zumeist kaum miteinander in Verbindung gebracht werden: Er ist – neben und zeitgleich mit dem Dominikaner Thomas von Aquin – der große franziskanische Scholastiker des 13. Jahrhunderts an der Universität Paris; er übte als ‚Fürst unter den Mystikern‘ weiten Einfluss auf die Spiritualität bis in die Neuzeit aus; seine Franziskus-Viten prägten das Bild des Heiligen von Assisi bis ins 20. Jahrhundert; und als Generalminister der Franziskaner und Kirchenpolitiker prägte er das Geschick des großen Bettelordens in seiner Zeit maßgeblich. Das Gebet – als Gegenstand der Theologie und der gelebten Frömmigkeit – erscheint als Querschnittsthema in diversen Gattungen dieses vielfältigen Autors: vom Sentenzenkommentar über Evangelienkommentare und Franziskus-Viten bis zu Ordensschriften und mystischen Traktaten. In dem Habilitationsprojekt wird das Thema des Gebets in den Gattungen je für sich unter traditionsgeschichtlicher Perspektive und im Blick auf deren jeweiligen Entstehung- und Verwendungszusammenhängen aufgearbeitet. So rückt eine breite, von Bonaventura aufgenommene, christliche Gebetstradition in den Horizont der Studie. Im Zentrum der Untersuchung steht deren Adaption und Verarbeitung durch den Doctor seraphicus in den unterschiedlichen Schriften und Gattungen im spezifischen Kontext der franziskanischen Lebensform des 13. Jahrhunderts steht.
Das Habilitationsprojekt ist am Institut für Spätmittelalter und Reformation der Uni Tübingen angesiedelt: uni-tuebingen.de/fakultaeten/evangelisch-theologische-fakultaet/lehrstuehle-und-institute/kirchengeschichte/kirchengeschichte-i/lehrstuhl/
© 2023, Max Bühler
Kontakt
Theologische Hochschule Reutlingen
Friedrich-Ebert-Straße 31
D-72762 Reutlingen
Telefon +49(0)7121 92 59-0
Telefax +49(0)7121 92 59-14
jonathan.reinert@th-reutlingen.de
Mitgliedschaften
- Luther-Gesellschaft
- Verein für Reformationsgeschichte
- Mediävistenverband
- Internationale Gesellschaft für Theologische Mediävistik
- Societas Mediaevistica Theologorum Evangelicorum
- Verein für Freikirchenforschung
- Studiengemeinschaft für die Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche
- Mennonitischer Geschichtsverein
- Evangelischer Bund Württemberg