Triptychon „gelebter Glaube – befreites Denken – tätige Liebe“

Ausgangspunkt: Die gewählte Formensprache ist entwickelt aus den dunklen Giebelsteinen des Altbaus. Diese greifen in die weiße Fassandenfläche ein und verbinden sich mit ihnen in einer Verzahnung. Für mich sind sie nicht nur Dekoration, sondern verweisen auch auf ihre mögliche Funktion als stabilisierende und stützende Elemente.
Extrahiert man sie als reine Formen, bilden sie Klammern. Sieht man diese dreidimensional, ergeben sich Formen, die ineinander greifen und wie Tore erscheinen.
Sie haben damit für mich haltende und gleichzeitig offene Qualitäten. Durch ihre Verwendung als Farbformationen auf allen drei Leinwänden schaffen sie nicht nur einen formalen Zusammenhang innerhalb des Triptychons sondern verweisen auch auf eine Verbindung zwischen Altem und Neuem in den Gebäuden.

Farbwahl: Die Farbwahl der Bilder orientiert sich an den drei Grundfarben Blau, Gelb und Rot, deren Symbolcharakter ikonographisch offensichtlich ist. Der jeweils in einer Grundfarbe angelegte Fond ist gestaltet mit Elementen in den jeweils anderen beiden Grundfarben und Mischungen daraus, um eine klare Verbindung der jeweils drei Bildtafeln zu schaffen.

Gelebter Glaube erhält in meiner Interpretation eine Bewegungsrichtung von unten nach oben, sowie von oben nach unten, das heißt, die Komposition ist gekennzeichnet durch eine Durchlässigkeit und Licht auf der mittleren Achse, während die beiden eher am Rand angeordneten kompakteren Formen wie die Giebelsteine Festigkeit, Halt, Bezug geben. Dabei sind diese durchaus auch lichtdurchlässig, leicht und erhalten ihre fragile Stabilität nur, indem sie sich gegenseitig stützen. Assoziationen zu gebauten Türmen und Gebäuden sind gewollt.

Befreites Denken evoziert in mir eine Bewegungsrichtung, die spiralförmig den Raum erschließt, wobei der Ausgang eine feste aber vielgestaltige und vielfarbige Basis am unteren Bildrand ist. Die Bewegung der kleinen farbigen Elemente im mittleren und oberen Bildbereich bleibt angekoppelt an ihren scheinbaren Ursprung im unteren Bildteil durch die Verwendung gleicher Farben. Für mich bedarf der Umgang mit der Lehre sowohl eines festen Fundaments als auch der Freiheit der Gedanken.

Tätige Liebe erfordert ein Gegenüber und ein Miteinander. Für die Komposition bedeutet das ein Bildgeschehen, das sein Kraftzentrum nicht peripher, sondern eher im mittleren Bildraum hat. Anfänglich sah ich eine Kreisform oder Sternform naheliegend, die mir dann aber wenig flexibel erschienen. Daher zog ich eine kettenförmige Anordnung der „Klammerelemente“ vor, die sich endlos verlängern kann und freischwebende Teile, ob in Gänze oder fragmentiert, integrieren kann.

Alle drei Bilder zeigen einen spielerischen und eher konstruktivistischen Ansatz mit ähnlichen Versatzstücken in kräftiger Farbigkeit. Ihr Spielcharakter lässt an Möglichkeiten der aktiven Gestaltung denken.

Mögen sie ein positiver Impuls für den Eintritt in ein Haus des intensiven gedanklichen Austausches und eines von Achtung und Liebe getragenen Miteinanders sein!

Anne-Kathrein Erban