Sternenkinder

Fachtag
Symbolbild mit Text: Fachtag Sternenkinder

Fachtag Sternenkinder

Am Dienstag, den 23. Juni 2026, fand an der Theologischen Hochschule Reutlingen der Fachtag „Sternenkinder – Soziale und diakonische Arbeit in der Begleitung von Familien nach Schwangerschaftsverlust“ statt. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Bethanien Diakonissen-Stiftung durchgeführt. Trotz der sommerlichen Hitze war die Aula mit rund 80 Teilnehmenden gut gefüllt.

Bereits vor Beginn bot die Fotoausstellung „Stille Momente“ einen eindrucksvollen Einstieg in das Thema. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung durch Prof. Dr. Dorothea Hüsson und Prof. Dr. Lothar Elsner begann das fachliche Programm.

Den ersten Vortrag hielt Dr. med. Britta Gruhlke, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Oberärztin der Palliativstation der GRN Klinik Sinsheim sowie Leiterin von Bethanien Sternenkinder Heidelberg. Sie beleuchtete das Thema aus medizinischer Perspektive und erläuterte das Vorgehen bei Diagnostik und Therapie nach einem Schwangerschaftsverlust. Dabei ging sie auf medizinische Abläufe und Fachbegriffe ebenso ein wie auf aktuelle Forschungsergebnisse, Versorgungsprobleme und die Stigmatisierung, mit der betroffene Familien häufig konfrontiert werden.

Im Anschluss sprach Dr. phil. Julia Böcker, assoziierte Wissenschaftlerin am Universitären Forschungsschwerpunkt Human Reproduction Reloaded (H2R) der Universität Zürich. Ihr Vortrag widmete sich den gesellschaftlichen Dimensionen individueller Erfahrungen mit dem Verlust eines ungeborenen Kindes. Anhand anonymisierter Gesprächsausschnitte und Erfahrungen betroffener Eltern verdeutlichte sie, wie unterschiedlich Schwangerschaftsverluste gesellschaftlich wahrgenommen werden und welche Herausforderungen sich daraus für die Betroffenen ergeben.

Den letzten Vortrag des Vormittags hielt Prof. Dr. Tobias Kaufmann von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Tübingen. Er stellte aktuelle Forschungsergebnisse zu neuronalen und psychischen Veränderungen nach einem Schwangerschaftsverlust vor und präsentierte zudem eine Studie zur Versorgungslandschaft für betroffene Familien. Dadurch wurde deutlich, welche langfristigen psychischen Belastungen mit einem Schwangerschaftsverlust verbunden sein können und welche Bedeutung eine angemessene Begleitung besitzt.

Nach der Mittagspause folgte die Workshopphase. Die Teilnehmenden konnten zwischen vier verschiedenen Workshops wählen: „Kommunikation im Nebel – Kommunikation mit Menschen in existenzieller Herausforderung und emotionaler Ausnahmesituation“ mit Dr. med. Britta Gruhlke, „Der perinatale Tod und seine Folgen auf das System Familie“ mit Bianca Steinbauer, Heilpädagogin, Ergotherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, „Wenn das Begrüßen zugleich ein Abschiednehmen ist“ mit der Seelsorgerin Dipl. theol. Ute Duppel-Martin sowie „Kreative Trauerarbeit“ mit der Kunsttherapeutin Sandra Spielmann. Die Workshops boten Gelegenheit, die am Vormittag behandelten Themen zu vertiefen und praxisnahe Ansätze für die Begleitung betroffener Familien kennenzulernen.

Zum Abschluss des Fachtags richtete Prof. Dr. Lothar Elsner einige Worte an die Teilnehmenden und bedankte sich bei allen Referierenden sowie den Mitwirkenden für ihren Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung. Der Fachtag war geprägt von fachlich fundierten Vorträgen, wertvollen Impulsen und anregenden Gesprächen. Er machte deutlich, wie wichtig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, um Familien nach einem Schwangerschaftsverlust sensibel und kompetent begleiten zu können.

Johanna Grosch, Studentin SAD an der THR

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