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Licht in der Bibel – die Bibel im Licht

Antrittsvorlesung
Kathrin Liess steht hinter einem Rednerpult. Das Rednerpult trägt ein Schild mit dem Schriftzug 'Theologische Hochschule Reutlingen School of Theology'. Sie trägt ein weißes Hemd unter einem dunklen, ärmellosen Oberteil.
Prof. Dr. Kathrin Liess

Antrittsvorlesung Prof. Dr. Kathrin Liess

Am Mittwoch, den 10. Dezember 2025, hielt Prof. Dr. Kathrin Liess ihre Antrittsvorlesung an der Theologischen Hochschule Reutlingen. Die Aula war mit vielen Studierenden, Kolleg:innen sowie Gästen aus Kirche und Hochschule gefüllt, um diesen besonderen Anlass gemeinsam zu feiern. Der Abend begann mit einem Orgelspiel von Rektor Christof Voigt. In seiner anschließenden Begrüßung stellte er den akademischen Werdegang von Frau Liess dar und dankte ihr im Namen der Hochschule für ihr Engagement und ihre bisherige Arbeit.

In ihrer Antrittsvorlesung sprach Liess zum Thema „Das Volk, das im Finsteren wandelt, sieht ein großes Licht” - Licht als Motiv Biblischer Theologie. Inhaltlich nahm sie die Zuhörenden mit auf eine spannende Reise durch die biblischen Texte und zeigte, wie das Motiv des Lichts sich durch die gesamte Bibel zieht. Dabei wurde Licht als Zeichen von Gottes Nähe, von Hoffnung und von Gerechtigkeit inmitten von Dunkelheit verständlich und anschaulich entfaltet.

Einen besonderen Schwerpunkt setzte die Vorlesung im Jesajabuch. Ausgehend von Jesaja 9 machte Frau Liess deutlich, wie Erfahrungen von Fremdherrschaft und Unterdrückung als Finsternis beschrieben werden, in die ein „großes Licht” hineinleuchtet. Dieses Licht steht für eine Heilswende, für Frieden und für eine Herrschaft, die von Recht und Gerechtigkeit geprägt ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Texte ursprünglich in einem konkreten historischen Kontext entstanden sind, aber durch ihre Offenheit bis heute weiterwirken.

Weitere Akzente bildeten die Gottesknechtslieder in Jesaja 42 und 49. Hier erscheint der Gottesknecht als „Licht der Völker”, dessen Wirken nicht auf Israel begrenzt bleibt, sondern alle Menschen in den Blick nimmt. Besonders eindrücklich wurde dabei, wie eng Licht, Recht und Erlösung miteinander verbunden sind und wie prophetische Hoffnungsbilder immer wieder neu gelesen und gedeutet werden können.

Mit Jesaja 60 weitete sich der Blick schließlich auf Jerusalem selbst, das dazu aufgerufen wird, Licht zu werden und Gottes Herrlichkeit in die Welt auszustrahlen. Das Heil ist hier bereits angebrochen, bleibt aber zugleich auf eine zukünftige Vollendung hin ausgerichtet. Gott erscheint als „ewiges Licht”, das alle anderen Lichtquellen überstrahlt.

Zum Abschluss zeigte Liess, wie diese alttestamentlichen Lichttexte im Neuen Testament aufgegriffen und auf Christus bezogen werden. Dabei machte sie zugleich deutlich, dass die christologische Deutung eine spezifisch christliche Perspektive darstellt und die Texte des Alten Testaments ihren eigenen historischen und theologischen Wert behalten.

Musikalisch wurde der offizielle Teil des Abends durch ein Klavierstück von Prof. Voigt beschlossen. Anschließend ging die Antrittsvorlesung in ein besinnliches Zusammensein über, bei dem Raum für persönliche Begegnungen blieb. Katrhin Liess nutzte diesen Moment, um auf ihren akademischen Weg zurückzublicken und sich bei all jenen herzlich zu bedanken, die sie auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben.

Die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Kathrin Liess war ein ebenso inhaltsreicher wie persönlicher Abend. Mit ihrer Arbeit prägt sie das Profil der Theologischen Hochschule Reutlingen und eröffnete mit ihrer Vorlesung zugleich einen Ausblick auf die weitere zukünftige Zusammenarbeit im Bereich Altes Testament und Biblische Theologie.

Johanna Grosch, Studentin der Sozialen Arbeit und Diakonie an der THR.

 

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