Freiheit und Verantwortung
Zur Bedeutung der Reformation heute

Studientag
der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR)
in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Reutlingen

29. April 2017

 

Die Bedeutung der Reformation für die Gegenwart sollte anlässlich des Reformationsjahres neu ins Bewusstsein gerufen werden. Eingeladen hatte die THR in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Reutlingen.

Zugleich war der Studientag ein betont theologischer Beitrag im Rahmen der ausgedehnten Reformationsfeierlichkeiten in der Stadt Reutlingen, die bekanntlich zu den allerersten Städten gehörte, die sich der Reformation anschlossen. Der Studientag bot drei theologische Referate, fünf Workshops und einen gottesdienstlichen Abschluss. Alle Beiträge standen in einem weiten ökumenischen Horizont.

Rechtfertigungslehre als Kernanliegen der Reformation

Zum Auftakt stellte der Neutestamentler und Rektor der THR, Roland Gebauer, die Rechtfertigungslehre als Kernanliegen der Reformation heraus. Pointiert bezeichnete Gebauer die Rechtfertigung als ein unverdientes Geschenk Gottes. Er betonte die Aktualität der die Reformation auslösenden Fragen: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Und: Von welchem Gott reden wir? Antwort: Von einem in Jesus Christus den Menschen unendlich gnädigen Gott.

Luther und Tauler. Mystik als ökumenisches Erbe der Reformation

Mit dem Vortrag der katholischen Theologin Daniela Blum von der Universität Tübingen über Luther, Tauler und die Mystik schloss sich gleich ein weiterer Höhepunkt an: Passend zum ersten Vortrag ging es auch hier um die empfangende Passivität des Menschen in der Ausrichtung auf Gott. Der Mensch müsse nichts tun, sondern nur leer werden. Denn das Entscheidende geschehe durch Gott.

Religionsfreiheit – erstrittenes Grundrecht nach-reformatorischer Bewegungen

Die Kirchengeschichtlerin Ulrike Schuler zeichnete in ihrem Vortrag anhand einer Fülle von historischen Fakten den Beitrag nach-reformatorischer Bewegungen zum Grundrecht der Religionsfreiheit nach. Dabei ist es kein Zufall, dass die gewählten Beispiele mehrheitlich mit der Gründungsgeschichte der Vereinigten Staaten zu tun hatten, was die deutsche oder europäische Perspektive beträchtlich erweitert. Ein ACK-Vertreter stellte nach dem Vortrag fest: Vorreiter für die Erstreitung des Rechts auf Religionsfreiheit waren offenbar eher die "Freikirchen" als die "Landeskirchen".

Musikalischer Zugang

Einen ganz eigenen Zugang zum Thema boten vier Orgelbearbeitungen der Reformationschoräle "Es ist das Heil uns kommen her" und "Nun freut euch lieben Christen g'mein" aus verschiedenen Epochen, die zu den Vorträgen von der kleinen Orgel der Hochschul-Aula erklangen.

Vertiefung des Themas in Workshops

Die Gruppenarbeiten hatten die revidierte Lutherbibel (Jörg Barthel), die soziale Perspektive der Rechtfertigung (Michael Nausner), Luthers Impulse für die Seelsorge (Holger Eschmann), gesungene Theologie bei Luther und Wesley (Ulrike und Christof Voigt) und die Aktualität der Rechtfertigungsbotschaft (Walter Klaiber) zum Thema.

 

Der gottesdienstliche Abschluss lehnte sich an eine ACK-Vorlage an, die zum gemeinsamen ökumenischen Lernen und zur gemeinsamen Zukunftsgestaltung ermutigt, aber auch die leidvollen Erfahrungen der Kirchenspaltung bedenkt. Geistliche mehrerer Kirchen waren an der Liturgie beteiligt.

Studientag Reformation
Pfarrerin Sabine Großhennig, Christos Dimitriadis, Chae Bin Kim, Pfarrer Dietmar Hermann, Prof. Achim Härtner und Bischof i.R. Walter Klaiber nach dem gottesdienstlichen Abschluss