FORUM FORSCHUNG

Im Sommer 2017 fand das erste Forum Forschung der Theologischen Hochschule Reutlingen statt. Seitdem werden alle zwei Jahre Wissenschaftler*innen eingeladen, die im weitesten Sinne mit der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Theologischen Hochschule Reutlingen in Verbindung stehen oder sich mit der Theologie methodistischer Prägung auseinandersetzen.

Das Treffen diente einerseits der gegenseitigen Vernetzung und andererseits der Bekanntmachung mit der Hochschule als einer möglichen Arbeitgeberin. Ende Juni 2019 fand das zweite Treffen statt.

Kirche im Sinne Wesleys

Das Forum Forschung lockte Ende Juni eine Gruppe von methodistischen Nachwuchstheologinnen und -theologen an die Theologische Hochschule Reutlingen. In mehreren Arbeitsphasen konnten Forschungsprojekte aus verschiedenen theologischen Disziplinen und unterschiedlichen kulturellen Kontexten vorgestellt und unter fachlicher Anleitung diskutiert werden.

Im Rahmen des Forums war der öffentliche Vortag des methodistischen Theologen Prof. Dr. Jörg Rieger platziert:

No Religion but Social Religion (alternativ:Soziale Religion" oder "Kirche mit anderen")

Ist Religion Privatsache? Dient Spiritualität in erster Linie dem persönlichen Wohlbefinden? Dieser Annahme widersprach der bekannte Befreiungstheologie Jörg Rieger von der Vanderbilt University (USA) in einem Vortrag an der Theologischen Hochschule Reutlingen, zu dem zahlreiche Besucher gekommen waren. Dabei bezog er sich auf einen Satz John Wesleys, des Gründers der methodistischen Kirche: »Das Christentum ist wesentlich eine soziale Religion; es zu einer Privatreligion zu machen, würde es zerstören.« Nach Rieger meint das viel mehr als die banale Tatsache, dass man Glaube nur in Gemeinschaft leben kann. Es bedeutet: Kirche kann nur Kirche sein, wenn sie sich radikal für die Probleme der Gesellschaft öffnet. »Eine Kirche, die sich nur um sich selber dreht, ist eigentlich keine Kirche«, sagte Rieger. Nicht nur »Kirche für andere« (Bonhoeffer) sollte sie sein, sondern »Kirche mit anderen«, besonders mit den Menschen am Rand der Gesellschaft. Dabei dienen die »Werke der Solidarität« nicht dazu, sich den Himmel zu verdienen. Sie sind ein Mittel, in der Begegnung mit den Armen und Ausgeschlossenen die Gnade Gottes zu erfahren. In der lebhaften Diskussion nach dem Vortrag wurde diskutiert, was das für konkrete Probleme unserer Gesellschaft wie Armut, Finanzkapitalismus oder Rechtspopulismus bedeutet.

Dr. Jörg Barthel, Prof. für Altes Testament an der THR

Vortrag von Prof. Dr. Jörg Rieger als Video

Auf dem THR-YouTube-Kanal steht der gesamte Vortrag "Keine Religion außer sozialer Religion" in zwei Videos zur Verfügung: